Die Teichlausitz war schon seit Urzeiten her eine sumpfige Auenlandschaft

denn nicht die Tagebau-Seen gaben der Teichlausitz ihren Namen


karpfenteich


Das obige Bild vermittelt einen Eindruck, wie sich die derzeitige Natur bei uns an den Karpfenteichen zeigt. Ursprünglich, selbst in den dunklen Vorzeiten war die Lausitz ein Auengebiet, feucht und sumpfig, ein Eldorado von Mücken, nach heutigen Ansichten völlig ungeeignet zum Wohnen. Dieses alten echten "Ur-Eindruck" findet man heute nur noch in den Mooren, z.B. dem Dubringer Moor. Das was wir heute als "Teiche" überwiegend vorfinden, sind entweder künstlich angelegte oder natürliche und dann angepaßte Teiche zur Fischzucht. Der Lausitzer  Karpfen zählt ebenso zur Lausitz, wie die Thüringer Bratwurst zu Thüringen oder die Gurke zum Spreewald.

In gewissen Sinne hat der Karpfen aber eine andere Entstehungsgeschichte. Zoologisch vom Standpunkt des Biologen ausgesehen formuliert Wikipedia das so:

Der Karpfen (Cyprinus carpio) ist eine der bekanntesten europäischen Fischarten und als Typusart der Gattung Cyprinus (Cyprinoidei) und der sowohl im Deutschen als auch in der Fachsprache Namensgeber der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae), der Überfamilie der KarpfenfischähnlichenOrdnung der Karpfenartigen (Cypriniformes). Er ist seit der Antike ein beliebter Speisefisch, der häufig in Fischteichen angezogen wird und dazu auch in zahlreichen Ländern weltweit eingeführt wurde, wo er teilweise als invasive Art auftritt. Der Wildbestand gilt dagegen heute als im Bestand bedroht.
Er war also schon immer da und ist in der heutigen Form, wie er auf unseren Tellern landet, ein Produkt der gezielten selektiven Züchtung aus der Wildform heraus. Das aber ist es nicht, was seinen Siegeszug als Speisefisch begründete. Die wildform sieht auch etwas anders aus, als unser Speisekarpfen. Die Wildform des Karpfens ist lang gestreckt und seitlich wenig abgeflacht mit vollständig beschupptem Körper. Der Rücken ist olivgrün mit helleren Flanken und gelblichem bis weißlichem Bauch. Karpfen erreichen meist eine Länge von 30 bis 40 Zentimeter, können aber in Einzelfällen bis 120 Zentimeter lang und über 40 Kilogramm schwer werden. Am ehesten sind die wilden Karpfen mit den Graskarpfen oder Amurkarpfen vergleichbar.

Zur Geschichte des Karpfens bemühe ich wieder Wikipedia:

Ursprünglich stammt der Karpfen aus Asien, die Römer brachten ihn nach Europa. Im Mittelalter wurden Karpfen zunehmend in Teichen gehalten - der Karpfen ist deswegen wesentlicher Bestandteil der Esskultur des Mittelalters. Der Besatz von Teichen mit Karpfen war teils eine Nebennutzung, weil die Teiche vor allem der Wasserrückhaltung dienten, um Mühlen anzutreiben. Wegen der umfangreichen christlichen Speisegebote, die an bis zu 150 Fastentagen keinen Verzehr von Fleisch erlaubten, entwickelte sich aber auch eine gezielte Teichwirtschaft, um Süßwasserfische für die Fastenzeit heranzuziehen. Es ist nicht sicher, welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass Karpfen nach dem Jahre 1000 auch in Zentral- und Westeuropa vorkamen. Die Klimaerwärmung in der Übergangsphase vom Früh- zum Hochmittelalter kann dazu beigetragen haben, dass sich diese Fischart natürlich ausbreitete. Der Ethnologe Brian Fagan hält es für wahrscheinlicher, dass Mönche und Nonnen diese Fischart gezielt einführten, um ihre Ernährung während der Fastenzeit abwechslungsreicher zu gestalten. Karpfen gedeihen auch in Wasser mit einem niedrigen Sauerstoffgehalt und sind daher prädestiniert für eine Zucht in flachen Teichen. Einzelne Klöster und Adelige besaßen zum Teil sehr weitläufige Teichwirtschaften, in denen diese Fische für die Fastenzeit herangezogen wurden. Die Spuren dieser Teichanlagen prägen bis heute Teile der europäischen Landschaft und sind Indiz für die Bedeutung von Süßwasserfischen in der mittelalterlichen Ernährung. So finden sich beispielsweise in der Umgebung des Klosters Maulbronn noch die Spuren von rund einem Dutzend großer Fischteiche. Die 400 Quadratkilometer an Teichanlagen rund um das böhmische Třeboň, deren Anlage im Mittelalter begann, dienen bis heute der Karpfenzucht. In Deutschland gibt es zahlreiche Karpfenzuchtbetriebe, besonders in der Oberlausitz nördlich von Bautzen, in Franken im Aischgrund (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Landkreis Erlangen-Höchstadt), in der mittleren Oberpfalz im Landkreis Schwandorf und im Landkreis Amberg-Sulzbach, im Oberpfälzer Stiftland (Landkreis Tirschenreuth) sowie in Peitz, unweit von Cottbus und in Reinfeld in Holstein. Der größte einzelne Karpfenteich (Schwarzenberg-Teich mit ca. 260 ha Fläche) liegt im südböhmischen Karpfenteichgebiet bei Třeboň (deutsch: Wittingau). Dieses Gebiet hängt geografisch mit dem österreichischen Teichgebiet im Waldviertel zusammen. Wichtige österreichische Karpfengebiete liegen ferner in der südlichen Steiermark und im südlichen Burgenland. Größere Bedeutung hat die Karpfenteichwirtschaft auch in Polen, Ungarn, Slowenien und Kroatien sowie in Israel und weiten Teilen Asiens. Lediglich in Australien ist das Züchten und Aussetzen von Karpfen gesetzlich verboten. Australien versucht den Karpfen als Schädling der einheimischen Fauna durch ein Programm auszurotten, bei dem genetisch veränderte Karpfen ausgesetzt und in die verwilderten Populationen eingekreuzt werden, die bewirken sollen, dass letztlich alle Karpfen männlich bleiben (wie sie es von Natur aus im Brütlingsstadium sind) und den Entwicklungsschritt zur Umwandlung in weibliche Tiere nicht mehr vollziehen können.

Die "Idee", den Karpfen als Speisefisch zu züchten, kam also mit großer Wahrscheinlichkeit den Mönchen der hiesigen Kloster und man hebelte damit das Fleischverbot während der Fastenzeit aus, da der Fisch nicht als Fleischlieferant galt. Irgendwann muß dann den Gottesdienern die Mehlspeise und der Hafer- und Hirsebrei zum Halse heraus gehangen haben und einige kamen auf die Idee, das Fleisch von Tieren zu verzehren, die nicht als solche galten. Da bot sich der Fisch an und hier insbesondere zur gezielten Massenzucht der Karpfen. Das Urvieh des Karpfens war sicher ein nicht besonders leckerer grätenreicher schlanker Fisch voller Schuppen. Den schönen fleischigen Karpfen mit seiner glatten Lederhaut auf der mal paar einzelne Schuppen zu finden sind, ist das Ergebnis einer gezielten Auslese bei der Zucht des Karpfens. Das größte für die Karpfenzucht wirtschaftlich genutzte Teichgebiet Europas ist die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, deren 335 Teiche fast zehn Prozent der 30.000 Hektar einnehmen. Karpfen sind heute nach wie vor beliebte Speisefische, in Deutschland und Österreich insbesondere zu Weihnachten und Silvester. Ein großer Teil der Produktion aus der Teichwirtschaft geht deshalb in den Markt für Speisefische. Einen wesentlichen Anteil hat aber auch die Erzeugung von Satzfischen für die Angelfischerei in freien Gewässern. 

Der Karpfen ist vor allem in Böhmen und dem angrenzenden österreichischen Waldviertel, besonders zu Weihnachten ein begehrter Speisefisch (Weihnachtskarpfen) – für manche Tschechen ist eine Weihnacht ohne Karpfenessen nach wie vor undenkbar. Er wird in der Regel lebend verkauft, erst zu Hause geschlachtet und meist paniert (mit viel Zitrone) serviert. Es sind aber auf den Speisekarten tschechischer Gasthäuser meist fünf bis zehn verschiedene Zubereitungen angeboten, zum Beispiel gekocht in Gewürzsud, gegrillt, scharf mit Paprikagemüse etc. In Deutschland ist unter anderem in Franken eine Hochburg des Karpfens. Die „Aischgründer Karpfen“ sind eine bekannte Spezialität der Gegend. Hier wird der Karpfen einschließlich Kopf und Flossen längs in zwei Hälften gespalten, in Mehl gewendet und in schwimmendem Fett gebacken („Karpfen fränkisch“). Dabei sind sogar die Flossen knusprig essbar. In Schleswig-Holstein und der Lausitz ist gekochter Karpfen (Karpfen blau) ein beliebtes Gericht zu Silvester. Ähnlich wie Muscheln isst man Karpfen in den Monaten mit r, also von September bis April. Zwar wäre die Verfügbarkeit außerhalb dieses Zeitraums heutzutage kein Hindernis mehr, dennoch wird diese Tradition größtenteils beibehalten.

Ich kannte ursprünglich den Weihnachts-Karpfen am heiligen Abend in Thüringen bei meiner Mutter immer als Karpfen "polnisch", knusprig gebacken mit einer Lebkuchenkruste in Biersoße mit Gemüse und Kartoffeln mit einem süffigen Schwarzbier. Erstaunlicherweise ist diese Art der Zubereitung des polnischen Karpfens hier im Stammland des Karpfens und selbst in Polen gänzlich unbekannt. Hier gibt es den Karpfen entweder in zwei Hälften geteilt gebraten oder blau. Wie die Thüringer zu dem Gericht des polnischen Karpfens gekommen sind, kann ich leider auch nicht eindeutig beschreiben. Die Polen jedenfalls waren es sicher nicht.