Kohle alle, Schluß gemacht und Wasser rein - fertig ist das Badeparadies, wohl dem, der hier wohnt ?!
(und genau das geht nicht so einfach, da gehört etwas mehr dazu, als nur Wasser die Wanne zu lassen)


Diese unsachliche, provozierende bis dusslige Überschrift war ein Ausspruch eines Bekannten an der damaligen Bezirksparteischule Cottbus, der 1980 meine mißbilligende Reaktion auf die Umweltzerstörung durch die Kohle damit kommentierte, um mir klar zu machen, dass mein Gemeckere nicht zutreffend und ich doch eigentlich zu beneiden sei. Ich würde doch in einer zukünftigen Seenplatte wohnen, war dann dort ansässig, wo andere Urlaub machten und obendrein Geld dafür bezahlten. Ich war also ein Begünstigter, der so eine Art Bonus auf ein kommendes Paradies sein eigen nannte. Im Prinzip wurden alle Einwände damals derartig behandelt, abgewiegelt oder völlig in Abrede gestellt. Leute, die sich anders äußerten, als es die offizielle Linie war, waren Störer und waren unerwünscht. Wer gar nicht Ruhe gab, mußte mit dem Vorwurf rechnen, "vom Klassenfeind" gesteuert zu sein. Viele aber, die die Einwände nicht verstanden,  meinten wirklich, was sie sagten, wenn sie alles Einwändige für eine Lappalie hielten, weil sie sich damals über die wahren Ausmaße des zukünftigen Verlusts an Umwelt nicht im Klaren war. Ich selbst war kein Kämpfer auch keiner, der unbedingt was verändern wollte - ich nahm's hin, ändern konnte ich sowieso nichts. Irgendwann mal "Badeparadies" ? Nun  ja, vielleicht erlebt man es noch - und wie sich ja nun zeigt - 40 Jahre später - zumindest als alternder Mann sieht man es noch entstehen.

Gemessen an dem, was ich heute im Ergebnis sehe und nun weiß, war ich damals auch nicht gerade besonders erleuchtet, meine Abneigung gegen diese Art der riesigen Landnahme war eigentlich nur mehr gefühlsmäßig. Gut, wir wußten es ja damals auch nicht viel besser und meinten, dass es mit dem "Wasser einlassen" letztendlich getan war. Aus diesem Grunde war die Umweltschutzfront in der DDR auch ziemlich schwach. Viel mehr Gedanken machte sich damals auch keiner. Viele akzeptierten das einfach als notwendiges Übel für den vermeintlichen Wohlstand, für die subventionierte Wärme, für den künstlich billig gehaltenen Strom aus der Dose, für das kostenlose warme Wasser "aus der Wand. Es war ja notwendig, woher hätte sonst die Glühbirne leuchten oder der Gasherd heizen und kochen sollen ? Wer das infrage stellte und Alternativen suchte, die von der offiziellen Energiepolitik der DDR abwichen, der konnte nur ein Feind sein - das war die allgemein vorherrschende Meinung.

Heute ist klar, dass schon zu Zeiten der DDR eine Kilowattstunde Strom mindestens 23 DDR-Pfennig statt nur acht Pfennig hätte kosten müssen, wenn sie wenigstens unterm Strich Null-komma-Null produziert werden sollte. Insgesamt ist heute die Rede davon, dass das Leben in der DDR (Mieten, Lebensmittelpreise, Energiepreise, Kindergärten, Schul- und Betriebsspeisungen, Ferienplätze etc.) aus politischen Gründen, sprich dem Vergleich der Gesellschaftssysteme Deutschland-Ost zu Deutschland-West zu 68 Prozent subventioniert wurde. Aber dem DDR-Bürger war das nicht bewußt, selbstverständlich ja, aber eben nicht bewußt.
Der Effekt ist in einem Satz zu benennen: Wir hatten zur Sicherung unseres bescheidenen und hoch subventionierten Wohlstandes in der DDR und zur politischen Repräsentation des Sozialismus unsere Umwelt und die unserer Kinder und Enkel verheizt.  Alles was wichtig war, stand im Zentralorgan der SED im "Neuen Deutschland" oder in den Reden und Aufsätzen sämtlicher Klassiker von Marx bis Lenin - und da kam das Wort Umweltschutz nicht einmal vor. Also war es nicht wichtig und wer davon immer wieder redete, redete unwichtiges störendes Zeug. Die Ignoranz gegenüber jeglicher Realität führte ja dann fast naturgesetzgemäß dorthin, wo sie 1989 endete.
Dann kam die politische Wende. Viele meinten, nun endlich ist alles vorbei, die Bagger werden stehen bleiben; Energie wird mit Öl und Atomkraft weiter produziert. Die Zeiten des Kohledrecks und des Ascheregens sind endlich vorbei. Aber auch das erwies sich wieder als Irrtum! Die Probleme blieben trotzdem weiter aktuell. Geld regiert nun alles. Geld macht alles möglich. War es vorher der Staat, der meinte Umweltschutz sei unwichtig, war es jetzt der Aktionär, der sein Streben nach Profit und seine Wünsche nach höchster Rendite mit dem Umweltschutz nicht überein bringen konnte. Die Kohleverbrennungen sind sauberer geworden, aber die Landnahme und die Enteignung der betroffenen Bewohner der weggebaggerten Orte geht unvermindert weiter.

Nur etwas ist aber trotzdem anders geworden. Wir können uns jetzt offiziell wehren und der Umweltschutz ist zu einer Größe geworden, die man nicht mehr einfach nur politisch wegreden kann und die Freiheit der Presse macht es möglich, Dinge ans Licht zu bringen, die manch einer, dessen Dividente davon abhängt, lieber verschwiegen hätte. Der Umweltschutz ist Bestandteil der Politik geworden, weil sich das Volk das so erzwungen hat. Das ist der feine, aber entscheidende Unterschied. Nur viel ändern tuts am Ende nicht. Die Enteignung Unwilliger geschieht nach wie vor noch auf der Basis eines Gesetzes aus der Nazi-Zeit; ein Gesetz, dass die DDR stillschweigend angewendet hat, weil es paßte und das heute wieder von der BRD benutzt wird, um den Energiemonpolisten die "Fläche frei zu schießen". Rückst Du Dein Eigentum nicht freiwillig gegen eine Entschädigungszahlung raus, ok, dann nehme ich es mir mit Gewalt und Du kriegst gar nichts.
Was die meisten nämlich nicht wissen - vor Hitler war es nicht möglich, die sorbischen Bauern einfach zu enteignen, wenn sie ihren Grund und Boden der Kohle nicht opfern wollten, dann hat Hitler zur Sicherung seiner Kriegsressourcen im Gesetz die bedingungslose Enteignung widerspenstiger Bauern verankert und die DDR und die BRD wenden dieses Gesetz ohne jeden Gedanken an den Urheber und den Kriegszweck für sich weiter an.

Doch zurück zur Braunkohlenförderung als Grundlage all dem und dem was danach kommt - der Reihe nach:

Um solche Löcher in dieser Größe und Tiefe in die Erde zu reißen und dann dort unten auch noch "trockenen Fußes" mit den kolossalen Gewichten der Bergbautechnik arbeiten zu können, setzt voraus, dass schon Jahre zuvor die sogenannte Entwässerung Tiefbrunnen anlegt und der Erde das Grundwasser entzieht - mit allen negativen Folgen. Schon viele Jahre bevor der erste Bagger Narben in die Erde reißt, verschwindet das Grundwasser, sinken die landwirtschaftlichen Erträge, können Bepflanzungen und Ernten nur noch mit immensem Aufwand an künstlicher Bewässerung, sprich Oberflächenwasser realisiert werden.

Als Nächstes, da ist die Erde durch die Tiefenentwässerung bereits ein ausgetrockner Pfefferkuchen, wird jegliche Vegetation entfernt, werden Menschen in Größenordnungen umgesiedelt, ihre Ortschaften platt gemacht. Der folgende als Vorschnitt bezeichnete Schritt schafft die Voraussetzungen für die Abraumbagger, die in mehreren Stufen bis hinunter auf das Kohleflöz, den Sand und die Erden, den Abraum enfernen, auf die Förderbrücke packen, die ihn dann über das Loch (die eigentliche Kohlegrube) hinweg auf die andere Seite verkippen. Damit wandert das Loch über das tiefer liegende Kohleflöz hinweg, frißt vorne das Land in sich hinein und wirft es hinter sich gesiebt und gewendet auf die Abraumhalde, während die Bagger unten die Kohle aus der Tiefe holen. In einem Satz, die Natur landet auf dem Müllhaufen.



tgb-nochten-ohne-grube

Das Panoramabild zeigt den linken Teil des Tagbeaues Nochten (vom Aussichtsturm "Schwerer Berg" bei Weißwasser aus gesehen) der mit dem Abraum aufgefüllt ist. Die sogenannte Grube - also das spektakuläre Loch ist recht außerhalb des Bildes. Was auf dem Bild zu sehen ist, ist jener Teil der mit Abraum verfüllt und durch die sogenannten Absetzer dann geglättet, breit gestreut - oder was auch immer - jedenfalls zu einer zumindest ebenen Landschaft gemacht wird. Das "Loch" aber bleibt immer bestehen, es wandert und hinterläßt dann hinter sich nachdem die Absetzer dran waren, eine zwar aufgeräumte, aber pflanzenlose tote Wüste. Da kein Grundwasser mehr vorhanden ist - jedenfalls solange die Grube noch läuft, kann man da ohne aufwendigste zusätzliche Bewässerung nichts mehr anbauen. Wenn dann schließlich die Grube "ausgekohlt" ist, d.h. das Flöz ist erschöpft - es ist nicht mehr ausreichend Braunkohle drin, wird die Grube geschlossen, was aber nicht heißt, dass sie verfüllt wird, denn auf wundersame Weise reicht der Abraum dazu nicht aus. Es wurde zwar nie etwas weggefahren, alle Erde, die man irgendwann mal rausgebaggert hat, ist auch noch da aber die ausgetrocknete und gesiebte Erde hat derart an Substanz verloren, dass man nicht einfach 1:1 die Erde wieder dorthin räumen könnte, wo sie mal war und dann ist das Loch zu. Schließung einer Braunkohlengrube heißt fast immer -  die Tagebaugeräte werden umgesetzt und übrig bleibt eine Wüste mit einem tiefen Krater.
tagebauansichtSo und nun glaubte man, weil ja die Erde fehlt, einfach mit Wasser auffüllen - oder noch einfacher, die Tiefbrunnen abschalten und das Grundwasser wieder aufsteigen zu lassen, das müßte es dann mit dem Umweltschaden schon gewesen sein. Weit gefehlt. Zumindest sind sich die Experten da nicht einig, ob Eigenflutung oder Fremdflutung.

so in etwa wie auf dem obigen Bild könnte ein ausgekohlter Tagebau sich darbieten, das ist das "Loch", das bleibt

Die Meinungen dazu sind verschieden, die Argumente auch. Würde man diesem Prinzip der Eigenflutung, sagen die Wissenschaftler der Hochschule Senftenberg - d.h. der alleinigen Auffüllung durch ansteigendes Grundwasser alleinig folgen, käme es zu einer Versauerung des neuen Gewässers, dessen Wasser auf Jahrzehnte hinaus nicht nutzbar wäre, ja nach Meinung von Medizinern  sogar gesundheitsschädlich! Fische in diesem Wasser sind viele Jahre undenkbar. Deshalb wurden für die Zeit nach der abrupten Stillegung von Tagebauen Konzepte der Fremdflutung entwickelt. Eigentlich ist es eine Mischflutung, denn das Eindringen einer bestimmten Menge von ansteigendem Grundwasser ist in der Regel unvermeidbar.
Allerdings, die berühmte Ausnahme von der Regel sind einige Tagebauseen bei Leipzig, die ausschließlich mit Grundwasser aufgefüllt wurden, wie z.B. der Kulkwitzer See, der eben nicht giftig geworden ist, sondern extrem klares Wasser und eine kerngesunde Flora und Fauna besitzt. So richtig allgemeingültig ist die Versauerung der Seen durch alleinige  Grundwasserflutung scheinbar doch nicht. Es wundert also nicht, dass man in Leipzig eine ganz andere Meinung zum Fluten von Tagebauen hat, als in Senftenberg.
Vor wenigen Wochen wurde im Nachrichtenkanal Phönix ein Unterwasserfilm aus dem Kulkwitzer See gezeigt, der zeigte, dass es in dem See vor seltenen Pflanzen und Fischen nur so wimmelte. Zumindest hier in diesem Falle ging die Theorie nicht auf, denn der Kulkwitzer See wurde nur und ausschließlich mit aufsteigendem Grundwasser geflutet.
                                  


Durch die Professoren Grünewald und Uhlmann von der Technischen Universität Cottbus wurde im Jahr 2005 ein Vortrag mit dem Thema
Zur Entwicklung der Wasserbeschaffenheit in den Lausitzer Tagebauseen – Ausgangspunkt, Stand und Perspektiven   (PDF-Download) ins Netz gestellt, der problemlos auch von Nicht-Spezialisten zu verstehen war und der das Problem der Gefahr der Versauerung eindeutig beschreibt und chemisch erklärt. Sie räumen auch mit dem Irrtum auf, dass die Entstehung der Tagebauseen mit der Entstehung der eiszeitlichen Seen im Norden Deutschland pauschal so einfach vergleichbar wäre. Das war lange Jahre ein Argument der damals politisch Verantwortlichen, um immer wieder zu betonten, dass das doch alles gar nicht so schlimm und im Wesentlichen doch ein ganz natürlicher Vorgang wäre, der hier ablief. Man redete damit der Argumentation der Umweltschützer entgegen, die es in der DDR auch schon gab, wenn auch verhalten und vorsichtig, weil das damals nicht ganz ungefährlich war, die "Katze gegen den Strich zu bürsten". Den Vergleich zu den eiszeitlichen Seen infrage zu stellen, wäre nämlich gleichzeitig die Kampfansage gegen die Verharmlosung der Umweltschäden gewesen - und das gefällt in keiner Gesellschaft (nicht nur in der ehemaligen DDR), denen, die die Macht haben und die darauf angewiesen sind, das Volk "ruhig zu halten". Heute wie damals ist das so.

Es dauert Jahre bis Jahrzehnte, bis ein solcher Tagebau-See geflutet ist und es dauert ebenfalls Jahre, bis dessen Wasser chemisch unbedenklich geworden sind. Soviel zum Wasser. Im Unterschied zu den genannten eiszeitlichen Seen haben die Tagebauseen steile Böschungen und lockere Lagerungen von homogenen Kippensubstraten und sie bergen deshalb eine große Gefahr durch so genanntes „Setzungsfließen“, sprich jene gefürchteten Rutschungen von riesigen Arealen von Uferbereichen. Und das bis heute, selbst an Seen die Jahrzehnte schon existieren und als sicher galten, wie die Concordia-Katastrophe von Nachterstädt am 18.Juli 2009 und der Grundbruch auf Terra Nova bei Hoyerswerda im Oktober 2011 zeigte. Außerdem können andere riesige Kippenkomplexe im Umfeld der Seen, weitere nicht unwesentliche Quellen für gelöste und versauernd wirkende Stoffe darstellen. 

Ein weiteres Problem ist meiner persönlichen Meinung nach auch das Verhalten der Administration selbst. Im Falle von Terra Nova wurde im Oktober 2010 so eine radikale Sperrung durchgesetzt, als ob die halbe Stadt Hoyerswerda wie ein modernes Atlantis davon bedroht wäre, obwohl wir in der DDR-Zeit mehrmals solche Ereignisse hatten, ohne dass es weitere Nachwirkungen gab und das jemand so überreagiert hätte. Mir persönlich scheinen die umfangreichen Sperrungen und vor allem die Tatsache, dass nun selbst nach drei Jahren noch immer keine Aussage über eine mögliche Freigabe der Flächen erfolgt ist, als zu übertrieben und überängstlich. Den Hoyerswerdaern wurde mit Terra Nova ein beliebtes Freizeit-Ziel und einigen Unternehmern ihre Lebensgrundlage genommen. Vor dem Grundbruch gab es kaum Verbots- und Warnschilder - jetzt sind die Tagebau-Seen und die devastierten Flächen mit solchen Schildern in Sichtentfernung gespickt. Es sind so viele, dass sie mittlerweile ihren Zweck nicht mehr erfüllen, sondern nur ein Lächeln hervorrufen, weil die Menschen das als reine Panikmache ansehen. Tagebaufolgelandschaften werden immer wieder solche Ereignisse zeigen, das ist in der Natur der Sache zu sehen. Wenn man dann jedesmal gleich Vollsperrungen in Größeno0rdnungen durchführen will, wird auch das neu entstehende Seenland nicht von langer ungestörter Dauer sein. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Damit ist die Palette der möglichen Probleme noch lange nicht erschöpft. Man sehe sich das am Beispiel der Stadt Hoyerswerda und ihrer Umgebung an. Früher war dieses Territorium ein riesiges Auenland mit großen Überflutungsflächen, Sümpfen und Feuchtwiesen. Zu Zeiten des Kurfürsten und Sächsischen Königs galt die Gegend um Hoyerswerda als nicht besonders gesundheitsfördernd und wurde hin und wieder dazu genutzt, wenn es galt jemanden vom Dresdner Hof zu verbannen. Die langjährige Mätresse des Königs, die Reichgräfin von Teschen Ursula Katharina von Altenbockum wurde z.B. 32 Jahre lang auf das Schloß Hoyerswerda geschickt, ein Schloß, dass seine Ursprünge in einer Wasserburg hat. Sie hatte es aber besser getroffen als ihre Konkurrentin Gräfin Cosel, die sich zu sehr und zu agressiv in die Belange des starken August einmischte, mit 36 Jahren entmachtet und eingesperrt wurde und den Rest ihres Lebens 48 Jahre lang als Staatsgefangene auf Burg Stolpen verbrachte. Nach neueren zeitgenössischen Unterlagen klingt das alles aber schlimmer als es scheinbar wirklich war. Ihr Vermögen behielt sie lebenslang und als sie nach 20 Jahren die Burg Stolpen hätte verlassen können, bleib sie dort aus freien Stücken und richtete sich ein. Sie hat wahrscheinlich dann in der Stadt-Entwicklung von Stolpen die gleiche positive Rolle gespielt, wie die Reichsgräfin Teschen in Hoyerswerda.


Der erste große ultimative Badesee für eine ganze Stadt - der Knappensee

Rund um Hoyerswerda war einst mit unzähligen Sümpfen, Bruchwäldern und Teichen übersät. Neben extremer Trockenheit auf den Heideflächen waren die Dörfer in Flussniederungen ständig von Überschwemmungen bedroht. Die Bewohner dieser Landschaft, die zu den ärmsten in ganz Deutschland zählten, hatten einen harten Kampf mit Dürre, Trockenheit oder Nässe zu führen. Der Wandel zu einer Bergbauregion wurde 1873/74 mit der Anlage einer ersten Eisenbahnstrecke eingeläutet.

knappensee-panorama



der Knappensee bei Hoyerswerda, seit über 55 Jahren der Badesee der Hoyerswerdaer, ab Herbst 2013 bis etwa 2017 wegen Sanierungen voll gesperrt, weshalb die Badestrände schon jetzt ohne Besucher sind


Am bekanntesten ist da die Grube Werminghoff von 1913 bis 1945 zu nennen. Der Tagebau galt im März 1945 als ausgekohlt und wurde 1945 unkontrolliert, ab 1953 schließlich kontrolliert geflutet. An der Stelle befindet sich der heutige Knappensee mit 284 ha Fläche und nur 11m Tiefe.

Der Tagebau Werminghoff II lief von 1933 bis 1960 und lag dann ausgekohlter Tagebau 10 Jahre brach da. Erst 1971 kam es zur planmäßigen Flutung (an anderen Stellen wird der Flutungszeitraum allerdings ab 1967 genannt) und es entstand als zweitgrößte Badewanne der Stadt Hoyerswerda der Silbersee mit 315 ha Wasserfläche und einer Durschnittstiefe von 22m. Die Tiefe ergibt sich aus dem Einsatz der Förderbrücken und deren Größe und Abwurfhöhe. Rund um Hoyerswerda sind noch etliche andere Seen entstanden, die aus mehr oder weniger alten Tagebauen herrühren, so z.B. der Graureihersee mit 137 ha Wasserfläche und durchschnittlich 27m Tiefe. Derzeitig aber ist der gesamte Silbersee seit Jahren wegen Sanierungsarbeiten nicht mehr zugängig und wird frühestens im Herbst 2013 erst wieder eröffnet, weil zu diesem Zeitpunkt dann  die Sanierung des Knappensee beginnen soll.

Ich kann aber nicht verhehlen, dass sich mir die Notwendigkeit nicht erschließt, warum ein fast 50 Jahre altes Tagebaurestloch wie der Knappensee, dass mittlerweise richtig gut gefestigte und bewachsene Ufer hatte und von dem in der gesamten Nutzungszeit als Badesee keine sicherheitsrelevanten Rutschungen bekannt wurden, nun auf einmal seiner jahrzehntelang gewachsenen Bäume beraubt wurde und "saniert" werden muß. Ich befürchte allerdings, dass die Probleme, die bisher am Knappensee ausgeblieben sind, nach der Sanierung wirklich kommen werden, wenn man alles umgewühlt, dann "verdichtet" und wieder destabilisiert hat. Auch der folgenschwere Grundbruch in Terra Nova ist nach solchen Verdichtungssprengungen im Tagebau Spreetal aufgetreten. 

Der touristische Schaden durch ausbleibende Urlaubsgäste sowohl am See direkt als auch bei den Pensionen und Gastwirten in den umliegenden Gemeinden war bereits am Silbersee schon sehr hoch. Das Ganze wird sich jetzt am Knappensee wohl erneut ereignen, das befürchten zumindest die Anlieger, Pensionsbesitzer, Gastwirte u.a.. Wer jahrzehntelang das große Treiben an diesem See miterlebt hat, steht jetzt etwas fassungslos vor der Tatsache, dass er an dessen Ufern nur noch einen Bruchteil des einstigen pulsierenden Lebens vorfindet. Was Wunder auch, wenn schon geraume Zeit verkündet wird,  dass der Knappensee "zugemacht" wird. Das bischen braune Substanz am Ufer kann aber so derb schädlich nicht sein, denn auch bei den neu angelegten Seen, für die laut und agressiv die Trommel geschlagen wird, sind diese rostigen Ablagerungen in manchen Uferbereichen zu finden. Dort ist aber keine Rede davon, dass man deswegen sanieren müsse. Es ist nicht begreifbar, warum einige Leute es nicht sein lassen können, endlich mal die Finger von der Natur zu lassen und aufhören, überall und selbstherrlich "Gott zu spielen". Normalerweise braucht die Natur unsere Korrekturen nach so langer Zeit nicht mehr. Sie richtet sich von allein ein und das Beste, was man der Natur antun kann ist es, dass man sie in Ruhe läßt. Das Ganze erscheint mir wie eine gesteuerte Konjunkturmaßnahme, bei der die Badegäste gezielt von den alten gestandenen Badesee'n ferngehalten, weggelockt und zu den neueren Seen hingelenkt werden sollen. Deshalb würde es mich wirklich nicht wundern, wenn es plötzlich in ein paar Jahren hieße, dass den See sowieso keiner mehr bräuchte. Die ganze Sache ist anrüchig und es ist nebulös, was dann am Ende dabei herauskommen soll. Das ist aber nur meine rein persönliche Ansicht mit der ich aber absolut nicht alleine dastehe, wenn man sich mit den Anwohnern und den letzten Badegästen darüber unterhält.







Der bisher größte See in Sachsen - der Bärwalder See, das Tagebaurestloch des Braunkohlentagebaus Bärwalde


baerwalder-see

von der Boxberger Seite aus gesehen, im Vordergrund das Amphietheater "im Ohr", im Hintergrund am Horizont die Berge der Oberlausitz



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Blick über den See, genau von der anderen Seite aus, als diesmal das Kraftwerk am Horizont, die Bautzner Berge im Rücken, rechts der Yachthafen klein in der Ferne zu erkennen


Leuchtturm-Yachthafen-Klitten

Auf dieser Seite befindet sich auch der Yachthafen Klitten mit seinem hauseigenen Leuchtturm

Der bisher größte und derzeit aktuellste See Sachsens, der Bärwalder See von 13km² Fläche und 58m Tiefe - entstand aus dem Tagebaurestloch des Tagebaues Bärwalde. Die Beliebtheit dieses Sees reicht bis nach den Niederlanden und weit hinein in unser Nachbarland Tschechien und in die Slowakei. Wie man so hört, haben sich die Behörden im Böhmischen mit dem FKK-Baden etwas eigen und so wird die Tatsache, hier einen offziellen FKK-Strand vorzufinden, wesentlich dazu beitragen. Von Jahr zu Jahr werden die Zahlen derer größer und größer, die mit Wohnwagen und Wohnmobilen  aus den Nachbarländern hier ankommen und Urlaub machen. Die Dieser See wird von den touristischen Vermarktern auch als Badewanne Sachsens bezeichnet, die Ausmaße seiner Badestrände, Campingplätze mit Zelten und Wohnmobilen sind größer als beispielsweise die der Talsperre Pöhl im sächsischen Vogtland. Der Bärwalder See erfreut sich nicht nur bei den Sachsen größter Beliebtheit, sondern hat auch tausende Fans im benachbarten Tschechien. Der Strand Uhyst ( der FKK-Strand und der Hundestrand) befindet sich mittlerweile fest in tschechischer Hand. Wenn man sich die Nummernschilder der vielen Wohnmobile ansieht, dann stehen hier hier überwiegend tschechische und niederländische Campingfreunde. Die deutschen Camper sind in am Strand Uhyst der Minderzahl, dafür aber am Strand Klitten und dem Strand Boxberg wieder überwiegend zu finden.

Amphietheater

das Open-Air-Theater "im Ohr am Bärwalder See aus der Nähe, Boxberger Seite



Von der gegenüberliegenden Seite des Sees aus sehend, habe ich mit einigen Bildern eine andere Ansichtsrichtung dargestellt,  nämlich jenseitigen Ufer aus, am Horizont dominiert das Kraftwerk Boxberg und an diesem Ufer befindet sich der neue Yachthafen Marina Klitten mit dem Leuchtturm..


Von anderen kleineren Seen, wie der des Tagebaues Ratzen oder Geierswalde und Partwitz liegen mir keine Angaben vor, wohl aber Fotos.




Der Partwitzer See, der Geierswalder See


partwitzer-see-pano

Hinter dem Geierswalder See liegt der Partwitzer See, ein Idyll an Ruhe und Stille (noch ...)


schwimmendes haus




Hochinteressant ist übrigens das "schwimmende Haus" im Partwitzer See, ursprünglich war es einmal als Verkaufsmuster gedacht. Da es mit dem See nicht schnell voran ging, wie man es sich ursprünglich mal dachte, rollte das Geschäft offensichtlich nicht so an und es ist bis heute das wahrscheinlich einzige Exemplar geblieben. Irgendwie zwingt sich bei dem Anblick mir immer der Vergleich zu Tom Hunter, dem alten Piratenkapitän aus dem ersten Band der ungekürzt fünf Lederstrumpfbände, dem "Wildtöter" auf. Der schipperte ja bekanntlich mit seiner ganzen Wohnung und seinen Töchtern auf einer Fluchtarche auf dem See herum, um sich vor den Irokesen zu schützen. Der Urlauber hier muß sich ggf. nur vor den Mücken schützen, ansonsten hat er hier himmlische Ruhe und (noch) paradiesische Einsamkeit.














Man muß sich nun vorstellen, dass zum Betrieb all dieser Tagebaue der Grundwasserspiegel niedergehalten werden mußte. Die Tiefbrunnenpumpen arbeiten schon Jahrzehnte rund um die Uhr und bei denen, die Wohnungen bauten kam wohl Sorglosigkeit auf, denn sie bebauten u.a. auch die Flächen, von denen man früher mal wußte, dass sie überflutet wurden, wie z.B. das Hoyerswerdaer Stadtzentrum oder Flächen um die heutige Grünewaldpassage und Gebiete in Gemeinden an Neiße, Schöps und Schwarzwasser.

Nun sind die Tagebaue stillgelegt, etliche der Tiefbrunnen abgeschalten und das Grundwasser steigt wieder an. Das machte Maßnahmen erforderlich, um die Bebauungen vor dem ansteigenden Grundwasser zu schützen - zumindest da, wo man den "alten" Grundwasserspiegel außer acht gelassen hatte. So meldet die Pressestelle der LBMV (Lausitzer und Mitteldeutsche BergbauVerwaltungsGesellschaft) am 28.05.2008 bereits von einem Hochwasserschutzschild in Hoyerswerda, dass in Pegelabhängigkeit des Grundwassers anspringt und u.a. so wörtlich:

"Seit einigen Wochen arbeiten die Horizontalfilterbrunnen in der Stadt Hoyerswerda zum Schutz vor dem wieder aufsteigenden Grundwasser."

Für mein Verständnis heißt das nun, dass Hoyerswerda nur vor dem Grundwasser gerettet werden kann, wenn die Pumpen auf ewig laufen und funktionieren. Ich habe da offen gesagt wenig Vertrauen in das ewige funktionieren dieser Technik für immer und für alle Zeit. Andere Maßnahmen, Hoyerswerda vor Hochwasser und ansteigendem Grundwasser zu schützen, sind u.a. die Bergbausanierung am Lugteich, einem Restloch des ehemaligen Tagebaues Laubusch, der zur Aufnahme von Wasser konzipiert ist, dass die Hoyerwerdaer Altstadt bedrohen könnte.

Ich habe aber auch mal gelernt, dass nicht, aber auch gar nichts "auf ewig" besteht, schon gar nicht in der Natur. Nicht einmal die Felsen der Alpen oder der Himalaja .... Trotzdem gibt es nur ein positives Fazit für die Tagebau-Seen, denn .... Es gibt z.Z. keine bessere Lösung als die alten Tagebaue zu Wasserflächen umzugestalten, diese Art der Landschaftswiederherstellung bei gleichzeitigen Hochwasserschutz ist die einzige Lösung und kostenseitig machbar. Das wird die Natur im Hintergrund auf Dauer nicht daran ändern, sich hier oder dort in kleineren oder größeren Zeitschienen zurück zu holen, was man ihr genommen hat. Die alte Natur ist nicht wiederherstellbar, aber das scheint inzwischen auch der Letzte begriffen zu haben. Die Natur richtet sich selbst ein, aus diesem Grunde bleibt der Uferschutz und regelmäßige Sanierung desselben eine Aufgabe, die auch nach einer möglichen Fertigstellung des gesamten Seenlandprojektes nie zum Abschluß kommen kann und deshalb auch nie kommen wird.

So und nun zu den Tagebau-Seen einige weitere Angaben:

in den letzten Jahren gewann der Geierswalder See stark an Bedeutung. Er war das Tagebaurestloch Koschen, das mit dem Wasser der Schwarzen Elster geflutet wurde. Er war der touristisch zuerst nutzbare See nach dem größeren Senftenberger See, mit er seit 2013 mit einem 1100m langen Kanal (dem Koschen-Kanal) verbunden ist, wenn man mal von den ganz "Alten" absieht - dem Knappensee und dem Silbersee. Der Kanal kostete allein 51 Millionen Euro, was gleichzeitig zu kritischen Reaktionen führte. In Relation gesehen, hat der Geierswalder See aber die größte touristische Wandlung hinter sich, wie der vordem angegebene Internetauftritt zeigt, der bei Interesse der Information dienen soll. Da es sich in meinem Falle aber nicht um einen kommerziellen Auftritt handelt, sondern um ein reines fotografische Hobby, habe ich kein eigenes Album weiter eingestellt sondern verweise hier auf den  Förderverein Wasserwelten Geierswalde e.V. und seine informativen Seiten. Außerdem erbringt die Stichwortsuche "Geierswalder See" bei Google jede Menge Informationen von Sportvereinen bis hin zu Hotelbetreibern.
Ein weitere Kanalverbindung, der Barbara-Kanal, auch Überleiter 9 genannt, ist zwischen dem Geierswalder und Partwitzer See im Bau. Prinzipiell ist dieser Kanal eigentlich fertig, aber die Befahrbarkeit ist jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt wegen dem noch zu niedrigen Wasserstand im Partwitzer See nicht gegeben.


Zeitgleich mit dem Geierswalder See wurde der Bärwalder See touristisch erschlossen. Späterhin soll ein zweiter Kanal aus dem Geierswalder See in den Bärwalder See mündend die drei Tagebau-Seen (incl. des Senftenberger See's) mit einander verbinden und schiffbar machen. Insgesamt ist in ferner Zukunft vorgesehen vom Ilse-See im Norden, über den Sedlitzer See in den Partwitzer See oder alternativ aus dem Senftenberger See über den Geierswalder See ebenfalls in den Partwitzer See zu gelangen und von dort weiter auf zwei Wasserstraßen über den Neuwiesener und Bergner See oder alternativ über den Blunoer und Sabrodter See letztendlich in den Spreetaler See zu gelangen. Ein absolut anspruchsvolles und riesiges Projekt, wie man hier unschwer erkennen kann. Insgesamt umfaßt das ganze Kanalsystem, wenn es mal fertig gestellt ist, (geschätzt anhand Google-Maps) bis zum Spreetaler See etwa 25km. Da das Bild leider keinen Maßstab hat - hat man den wirklich nur vergessen ? - die Länge der Straße von Senftenberg, entlang am Senftenberger See über Großkoschen, die B96 am Erika-See vorbei nach Lauta, das sind genau 15km. Oder die Strecke von Großräschen nach Blunow über die B156, das sind 21,5km.  Sie können das vergleichend dann in etwa selbst ermessen, um welche Größenordnungen es sich hier handelt und das diese Aufgabe eine Generationenaufgabe ist.

Der Erika-See bei Laubusch und der Bernstein-See bei Burghammer bleiben solo, ersterer dient dem Hochwasserschutz, bei letzterem ist die Kanalisierung durch die Unter- oder Überquerung der B97 sicher das Problem.





Das Lausitzer Seenland


Tafel-der-Seenkette am GeierswalderSee

die Ansichtstafel der Lausitzer Seenkette, wie sie am Geierswalder See aufgestellt ist, leider etwas verschmutzt und vom Regen verwischt, deshalb ein höher aufgelöstes Bild öffnet sich hier

Auch über eine Anbindung des Bärwalder See gibt es keine Hinweise und Informationen, was mir aber plausibel erscheint. Die Entfernung vom Spreetaler See zum Bärwalder See über den Bernstein-See (unbeachtet der zusätzlichen Kosten für die Unterquerung der B97) durch das Speicherbecken Lohsa II betrüge etwa in gerader Linie noch einmal 15km, geschätzt GooleMaps) Setzen wir dagegen, dass ein reichlicher Kilometer zwischen Senftenberger See und Geierswalder See schon 51 Millionen Euro gekostet hat, kommen wir rein hypothetisch ganz flott mal auf 697 Millionen Euro (ohne die Kosten der Überquerung der B97 !) vom letzten See des vorgenannten Großprojekts zum Bärwalder See. Inflationsraten und Straßenbau mal drauf gerechnet, rutschen da am Ende eine Milliarde Euro in den Kanal. Damit dürfte sich auch die weitere Fragestellung nach einem solchen Kanalprojekt erübrigt haben. Deshalb werden die Kapitäne wohl auf die "ganz große Fahrt" von Brandenburg bis ins tiefere Sachsen hinein verzichten müssen ;-)

Aber unter uns gesagt, es sollte erstmal die erste große Kanalgeschichte bis zum Spreetaler See fertig werden. Da geht sicher noch viel Zeit die Uhr hinunter, ehe das vollbracht sein wird. Wenn es dann aber gelingen sollte und alle möglichen Klippen, bis hin zu möglichen Rutschungen und Grundbrüchen, wie in Terra Nova geschehen, trotzdem unbeschadet umschifft werden, dann wird das Ergebnis einzigartig in Deutschland oder gar in Europa sein. Dann kann man den Ideengebern am Anfang und am Ende des Kanals vollberechtigt einen Obelisken (hier heißt sowas Landmarke oder Gedächtnisfinger) aufstellen. Ich hoffe sehr, dass ich noch alt genug werde, um die entgültige Fertigstellung erleben zu können. Das möchte ich nämlich wirklich noch mit eigenen Augen sehen.

Einer der ältesten Tagebauseen, dessen Nutzung seit Jahren ausgebaut wird ist der Senftenberger See, der schon zu Zeiten der DDR als ein Badesee genutzt wurde. Die wirklich spektakulären Ausbauten an diesem See fanden aber nach der Wende statt. Das jüngste "Kind" an seinen Ufern ist der neue Hafen.

neuer Hafen Senftenberg



beide obige Panorama-Fotos zeigen den 2012 neu eröffneten "Stadt"-hafen in Senftenberg, eine Anlage, die wahrhaftig nur mit Superlativen zu beschreiben geht



blockhaus Im Jahr 2012 eröffnet erwartet den Besucher hier ein Flair, wie es sich manches gestandene alt eingefahrene Seebad wünschen würde. Für alles ist gesorgt. Stilgerechte Unterkunft im einzigen und größten Blockhaus-Hotel außerhalb Kanadas, für eine exzellente Gastronomie im Hafen, wunderschöne Badestrände und Urlauberdörfer auf der Großkoschener Seite, die alle Standards erfüllen.

Am Senftenberger See kann man jetzt bereits erahnen, was alles möglich sein kann, wenn alle Pläne, die zur Zeit noch hochfliegend und zeuer tatsächlich einmal umgesetzt werden würden.

Man muss aber real bleiben - das ist eine Generationen währende Aufgabe. Allerdings wäre es falsch, bereits jetzt zu resignieren und zu sagen - das schaffen die sowieso nicht. Es ist alles eine Frage der Zeit, wie so vieles.










Buchwaldter-Strand-SFB-See

der Buchwalder Strand am Senftenberger See, links am Horizont das ehemalige Braunkohlenwerk Senftenberg, heute ein Industriemuseum





Im Kommen sind die neuen Badeseen bei Hoyerswerda - der Scheibe-See und der Dreiweibern-See



Einer der letzten Tagebauaufschlüsse war der des Tagebaues Scheibe, wenige Kilometer vom Stadtrand Hoyerswerda entfernt. In den ruhigen Nächten konnte man in Hoyerswerda  die typische Geräuschkulisse des Tagebau's hören - das Quietschen der Eimerketten der Bagger und das Alarmhorn, wenn sich die Brücke bewegte. Ein ganz charakteristisches Geräusch, dass die Besucher störte, weil es sich anhörte wie eine Geisterbahn und das wir aber schon nicht mehr hörten, weil unser Gehör es ausgeblendet hatte. Wenn ich in warmen Sommernächten meine Balkontür und mein Schlafzimmerfenster bis zum Anschlag offen hatte und alles ruhig war, dann war das keine Kunst die in ein Kilometer Luftlinie arbeitenden Bagger zu hören.

1980 wurde dieser Tagebau quasi als Notaufschluß erschlossen, die DDR befand sich in einer Energiekrise und der große Bruder verlangte plötzlich harte Dollar für sein Erdöl. Da mußte die DDR an ihre letzten Reserven gehen und so wurde auch diese Kohlelagerstätte geöffnet, die man bis dahin gemieden hatte, weil die Kohle von schlechter Qualität war und man sehr wohl wußte, dass man sich damit in den Kraftwerken die Öfen ruinierte. Aber 1980 ging es ans Eingemachte und da war nicht mehr die Möglichkeit der Wahl. 1980 wurde die Weisung zum Neuaufschluß herausgegeben und im 2. Halbjahr 1982 begannen die Entwässerungsarbeiten, denen auf der anderen Seite der Straße zu meinem persönliche Leidwesen auch ein Jahrzehnte von mir beobachtetes Habitat des Haubentauchers  unwiderbringlich zum Opfer fiel - die sogenannten Hammerteiche. Die Aquarienfreunde verloren eine wichtige Futterquelle (Wasserflöhe, Mückenlarven ) und die Ornithologen ihre geliebten Haubentaucher.

Am 15. November 1985 begann die Rohkohleförderung und im November 1996 wurde sie wieder eingestellt. Gemessen an der Landinanspruchnahme von fast 800 Hektar, der Auslöschung des mindestens seit 1568 bestehenden sorbischen Dorfes Scheibe war das sehr wenig.
Urkundlich wurde Scheibe zwar erst 1568 in einem Urbar der Standesherrschaft Hoyerswerda erwähnt, aber es dürfte mit seiner tatsächlichen Gründung in die Zeit der zweiten germanischen Ostexpansion fallen.
Desweiteren schlug die Vernichtung eines einzigartigen Lebensraumes durch Trockenlegung des gesamten Teichgebietes zwischen Hoyerswerda und Riegel  zubuche. All gegen das gesetzt - war die Gesamtrohkohleförderung in all den Jahren von nur schlappen 51,5 Millionen Tonnen ein ungeahnter Aufwand und ein beispielloser Blutzoll an der Natur und der sorbischen Heimat für fast Nichts. 1996 kam dann das endgültige Aus, die minderwertige Kohle aus dem Tagebau Scheibe war wirklich nicht mehr zu gebrauchen. Die Energiekonzerne konnten und wollten es sich nicht leisten, die Öfen im Kraftwerk mit salzhaltiger Kohle zu versauen.


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Der Tagebausee Scheibe, z.Z. (2013) noch nicht ganz vollgelaufen und auch nicht für die Nutzung freigegeben, doch mit großen Plänen für die Zukunft


Eventuell wird der Scheibe-See mal die ganz große Badewanne der Stadt Hoyerswerda, so etwas wie der Senftenberger See für Senftenberg und der Bärwalder See für Weißwasser. Zumindest steht es so in der "Zukunftsmusik" geschrieben, dass dieses Gewässer für die Naherholung, Ansiedlung von Gewerbe  besonders regional für die Stadt Hoyerswerda vorgesehen ist. Ab und an wird in Hoyerswerda immer beklagt, dass man den Vorteil von Senftenberg nicht gehabt habe, ergo schon vor 30 Jahren (Inbetriebnahme des See's 1973, 13qkm groß) einen solchen See vor der Haustür und deshalb Senftenberg in seiner gesamten touristischen Infrastruktur nur deshalb sich so weit entwickelt wäre.  All das Gejammer im "hätten wir" und "wir wären ja mindestens auch so weit" -Stil nutzt aber nichts. An diesem großen See in der Nähe von Hoyerswerda, dem Scheibe-See mit immerhin sieben Quadratkilometern, kann die Stadt jetzt beweisen, dass sie das auch kann, was andere konnten. Nicht die Wassermenge in einem Kreis oder bei einer Stadt schafft eine Hauptstadt für das Lausitzer Seenland, sondern die Tatsache, was die Stadt oder die Region da draus zu machen versteht. So gesehen, ist da Senftenberg noch ganz vorn, auch wenn das in Hoyerswerda nicht gern gehört wird.

Schauen wir mal, dann müßte in den nächsten 5 Jahren sich dort einiges tun. Da dieser See allen anderen bisherigen Tagebau-Seen gegenüber den unschätzbaren Vorteil hat dass seine zukünftigen Ufer aus gewachsenen Böden bestehen und erst in zwei Meter tiefe Kippengelände zu finden ist, ergibt sich für die Planung als Vorteil eine gewisse "Standsicherheit", die andere nicht hatten. In der Gegend um Hoyerswerda befanden sich vor der Braunkohle viele Seen, Teiche und Sümpfe mit einer einzigartigen Fauna und Flora. Hier befand sich das natürliche Überschwemmungsgebiet der Schwarzen Elster. In dieses natürliche Regularium wurde durch den Bergbau massiv eingegriffen, der Grundwasserspiegel wurde auf fast 40m Tiefe abgesenkt, was dann "oben" enorme Defizite zur Folge hatte. Heute versucht man das Schritt für Schritt zurück zu nehmen, den alten natürlichen Zustand wieder herzustellen und vor allem - das alles wieder in die Lage zu versetzen, sich selbst zu regulieren. Bis jetzt ist das aber noch weiter Ferne. Würden die Tiefbrunnen um Hoyerswerda von heute auf morgen abgeschaltet, stände die Stadt auf kurz oder lang wie Venedig im Wasser. Nur die einen können damit seit hunderten Jahren umgehen, die anderen könnten es nicht. Hoyerswerda, d.h. die Neustadt, würde wahrscheinlich unbewohnbar, weil dort niemals hätte etwas hingebaut werden dürfen, wo man dann wider jedes bessere Wissen und im allmächtigen Glauben an das ewige Dasein der Braunkohle, letztendlich doch hingebaut hat. Mitten in die Auenlandschaft, die die Natur sich jetzt wiederholen würde, wenn man sie denn frei ließe.



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Der neu entstehende Strand Lohsa am Dreiweiberner See - Stand Juli 2013 - auf der gegenüberliegenden Seite links im Bild erkennt man den Campingplatz Weißkollm, Bildmitte rechts das Kraftwerk Boxberg



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die andere Seite des Dreiweiberner-See - der Strand Weißkollm mit Stellplatz für Campingfahrzeuge, Gaststätte und Sandstrand




Eines der jüngsten Projekte ist der Dreiweiberner See, das Tagebaurestloch des Tagebaues Dreiweibern bei Lohsa. Dreiweibern liegt östlich von Hoyerswerda und nördlich von Lohsa. Im Süden des Ortes liegt der Dreiweiberner See. Er ist die Ursache für die im Verhältnis zur Einwohnerzahl (44 Einwohner) mit 48,08 km² sehr große Ausdehnung Dreiweiberns. Somit beträgt die Bevölkerungsdichte des Dorfes weniger als 1 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Jahre 1884 zählte der Wissenschaftler Arnošt Muka für seine Statistik in Dreiweibern 105 Einwohner. Diese waren ausnahmslos Sorben. Einen Ortsvorsteher hat das Dorf nicht; verwaltungsmäßig wird es in das Gebiet Weißkollm eingeordnet. Dreiweibern gewinnt die meisten Besucher durch den gleichnamigen See für sich, welche hier Bade- und Freizeitmöglichkeit haben. Eine Bar am Erlebnisstrand, welcher allerdings zu Weißkollm gehört, wurde am Dreiweiberner See ebenfalls eröffnet.



wird weiter fortgesetzt