Der Spreewald, ein einzigartiges landschaftliches Kleinod




Der Spreewald (niedersorbisch Bljóta, Sumpf) ist sowohl ein ausgedehntes Niederungsgebiet als auch eine historische Kulturlandschaft der sorbischen Volksgruppe im Südosten des Bundeslandes Brandenburg. Einerseits handelte es sich um natürliche Flusslaufverzweigungen der Spree, andererseits wurden diese durch das Anlegen von Kanälen deutlich erweitert.  Der Spreewald gilt als einzigartige Auen- und Moorlandschaft und ist nicht zuletzt deshalb als Biosphärenreservat geschützt.

Schon seit der Kaiserzeit ist das Gebiet eines der bekanntesten und beliebtesten Reiseziele im Land Brandenburg. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Die Beziehungen zwischen dem Spreewald und Berlin waren schon im 19.Jahrhundert ziemlich speziell. Eine Sonderstellung nahmen die "Spreewälder Ammen" ein. Berliner Großbürger stellten sie als Muttermilch gebende Super-Nannys an, die die Kinder zu betreuen hatten. Ein Gemälde von 1886 zeigt diese Ammen in sorbischer Tracht. Eine Amme aus dem Spreewald zu haben, galt als Statussymbol. Um an den gut bezahlten Posten und die Muttermilch zu kommen, ließen sich diese jungen Frauen offenbar nicht selten von Militärangehörigen der Lausitz-Kasernen schwängern. Was mit diesen Kindern geschah, versuchen Historiker bis heute zu klären. Wahrscheinlich wuchsen sie bei den Großeltern auf. Und aus den Dienstboten und Ammen wurden bald Berliner.

Der Naturraum Spreewald unterscheidet sich vom Wirtschaftsraum Spreewald derart, dass der Wirtschaftsraum rein willkürlich festgelegt wurde und aus pekuniären Interessen wesentlich größer als der Naturraum gefaßt ist. So können auch Unternehmen, die sich territorial nicht im Spreewald befinden, originale "Spreewälder Gurken" oder andere weltbekannte Artikel aus der Spreewaldregion herstellen und verkaufen. Selbst als Kunde aus der Region mit etwas Ortskenntnis wundert man sich im Supermarkt mitunter kräftig, was da an "Spreewälder Gurken" oder "Spreewälder Sauerkraut" von Unternehmen aus Städten und Orten angeboten wird, deren Sitz man im Leben nicht mit dem Spreewald verbinden würde. Seit der politischen Wende in der ehemaligen DDR bis zum heutigen Tag führte und führt das immer wieder zu gerichtlichen Streitereien zwischen den wirklich im Spreewald ansässigen Unternehmen und solchen, die sich weitab vom Spreewald etablierten, sich aber zum "Wirtschaftsraum" Spreewald rechnen. Das ist in Ähnlichkeit das Gleiche, wie es seit der Wiedervereinigung auch das Problem der "Thüringer Bratwürste" und des "Bautzner Senf" ist, die eigentlich nur in Thüringen "originale Thüringer Bratwürste" oder von Bautzen original "Bautzner Senf" sein können, die aber von findigen bayrischen Metzgern auch in München oder Nürnberg als "Originale" hergestellt werden, weil der Arbeitstisch aus Thüringen erworben wurde oder weil man sich Anteile am Ost-Unternehmen erkauft hat. So haben Anwälte und Richter immer Arbeit und festes Einkommen.


Das Gerücht, dass der Spreewald überwiegend eine künstlich angelegter Kanalbau aus Zeiten Friedrichs des Großen sei, ist wirklich ein Gerücht. Der "alte Fritz" hat für Brandenburg zwar viel geschaffen, aber der "Baumeister" des Spreewaldes sind die verschiedenen Eiszeiten, die über das Land hinweg gegangen sind. Von den 970 Kilometern Gesamtlänge der Kanäle und Fließe des Spreewaldes sind nur etwa 50 Kilometer nachträglich durch menschliche Arbeit geschaffen worden. Etwa weitere 250 Kilometer wurden so wie sie heute zu erleben sind erweitert, waren aber zuvor als mehr oder weniger große Kanäle und Rinnsale bereits vorhanden, wie man den informativen Erläuterungen manchen Fährmannes entnehmen kann.

Von April bis Oktober wird die Post in Lübbenau bis zum Ortsteil Lehde auf dem Wasserweg zugestellt. Die Postzusteller nutzen hier ein gelbes Boot ohne Außenbordmotor, welches mittels eines Rudels stakend fortbewegt wird. Ein Rudel ist eine über 4 Meter lange Stange, die einem sehr schmalen Ruder ähnlich sieht. Da beim Staken immer die Gefahr besteht, dass das Rudel stecken bleibt und abbricht, befindet sich auf jedem Boot mindestens ein Ersatzrudel. 

In der Collage sehen Sie u.a. die "Garage vom Postkahn" und der seltene Zufall wollte es, dass in Lehde die Christel von der Post unserem Kahn entgegen kam und ebenfalls aufs Bild genommen wurde. Dass die Post im Winter allerdings von Postläufern auf Schlittschuhen ausgetragen wird, halte ich persönlich für einen Gag der Fährleute. Sieht man sich an, was die Postfrau auf dem Bild im Sommer alles mit sich führt, dann dürfte das im Winter auf Schlittschuhen wohl weniger gelingen. Tatsache ist aber, dass die Kanäle (oder "Fließe", wie sie genannt werden) die Hauptverkehrswege im Spreewald sind, Sommers wie Winter. Allerdings sind die meisten  Höfe heutzutage auch von der anderen Seite inzwischen mit Autos erreichbar und man sollte das leichte Schmunzeln des Fährmanns nicht übersehen, wenn der den Besuchern in seinem Kahn an besonders unübersichtlichen Stellen erzählt, dass das Auto dort auf der scheinbaren Insel allabendlich auf zwei Kähnen in die Garage "gestakt" wird. Irgendwie erheiternd ist es dann, wenn unter den Fahrgästen ernsthafte Diskussionen entbrennen, ob denn zwei Holzkähne das Auto tragen würden und wie man denn das Gewicht gleichmäßig verteilen würde ....

Die Collage öffnet sich durch Anklicken der nebenstehenden stark verkleinerten Ansicht und sollte dann mit 100% Ansichtsgröße betrachtet werden. Die bisher hier gezeigten 200 Einzelbilder habe ich vom Server nehmen müssen, nachdem ich einige davon als Postkarten am Kiosk wiedergefunden habe - natürlich nicht mit meinem Namen als Bildautor, sondern dem Zeichen einer asiatischen Bildagentur. Das ist eben heute die Schattenseite des weltweiten Internets
Es ist aber trotzdem unbestritten:  Wo anderenorts das Auto zum Einkaufen, für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder zum Transport größerer Gegenstände genutzt wird, nimmt man im Spreewaldinneren traditionell den Kahn zur Hilfe.

Die Informationen über den Spreewald, über die Möglichkeiten betreffs Unterkunft und Essen, all das finden Sie auf verschiedenen Links im Netz, so u.a. auf diesen hier:

http://www.spreewald.de/
http://www.spreewald-travel.de/
http://www.spreewald-info.com/
http://www.spreewald-online.de/
http://www.spreewaldportal.de/


Besonders Kanuwanderer, Natur- und Tierfotografen finden im Spreewald eine unerschöpfliche Menge an Motiven aller Art. Doch auch, wer sich einfach nur so in eine Kahnfahrt einkauft und mit anderen Besuchern nur so mitfährt, der wird die Ruhe genießen und an dem einzigartigen Naturerlebnis des Spreewaldes teilhaben.
Hier existieren rund 18.000 Tier- und Pflanzenarten, 1991 erhielt der Spreewald die Anerkennung der UNESCO als Biosphärenreservat.