Schwarzkollm, der Standort der "Schwarzen Mühle", das Zentrum der Krabatsage





Schwarzkollm, obersorbisch Čorny Chołmc, ist eine Ortschaft in Ostsachsen. Seit dem 1. Januar 1996 ist das Straßenangerdorf ein Ortsteil der etwa 10 Kilometer östlich davon liegenden Stadt Hoyerswerda. Der Ort liegt im sorbischen Siedlungsgebiet in der Oberlausitz. Bekannt wurde der Ort im Landschaftsschutzgebiet Leippe-Schwarzkollmer Niederung vor allem durch die sorbische Sagengestalt des Krabat und die Schwarze Mühle nahe der Siedlung Koselbruch (Kózło). Schwarzkollm ist Start- und Endpunkt des Krabat-Radweges.
Das Dorf Cholm wurde im Jahr 1394 erstmals erwähnt. Seit 1759 ist die Bezeichnung Schwarzkollm nachweislich, die zur Unterscheidung vom gleichnamigen Dorf östlich von Hoyerswerda, dem heutigen Weißkollm, eingeführt worden ist. Der deutsche Ortsname Kollm geht dabei auf den sorbischen zurück, der einen Ort an oder auf einem Hügel bezeichnet.
Seit dem 12. oder 13. Jahrhundert ist Schwarzkollm Kirchort. Die ursprünglich gotische Marienkirche wurde 1858 durch einen Brand zerstört und nach romanischem Stil wiederaufgebaut.
Nachdem 1815 der östliche Teil der Oberlausitz von Sachsen an Preußen abgetreten werden musste, wurde die Gemeinde dem Landkreis Hoyerswerda zugeordnet.
Seit 1882 wird in einem Steinbruch ein grobkörniges Lausitzer Granodiorit, meist Lausitzer Granit genannt, gewonnen.
Nach der Verwaltungsreform von 1952, die unter anderem die Aufteilung des Landkreises Hoyerswerda zur Folge hatte, wurde Schwarzkollm dem neuen Kreis Hoyerswerda zugeordnet.

Im Schwarzkollmer Wappen sind typische Symbole des Ortes und der Ortsgeschichte vereint. Der Krabatsage ist die Figur des Krabat entnommen. Das Mühlrad steht symbolisch für die Schwarze Mühle bei Koselbruch, in der Krabat lt. der Sage das Zauberhandwerk erlernt haben soll. Die vier Hügel symbolisieren die vier Hügel in der Umgebung, von denen sich einst der Name ableitete. Die Bäume auf diesen Hügeln weisen auf den Waldreichtum der Landschaft um Schwarzkollm hin.

Seit 2006 baut ein örtlicher Verein im nahegelegenen Koselbruch den Erlebnishof Krabat-Mühle auf, wo unter anderem Konzerte und Filmvorführungen stattfinden.

Die Krabat-Sage ist die Sage des sorbischen Sprachraums und Schwarzkollm ist das Zentrum der Handlung. Diese Tatsache hat nach der politischen Wende die umtriebige Bürgermeisterin Gertrud Winzer die Legende des Ortes aufgegriffen und den Ort Schritt für Schritt touristisch attraktiv gemacht. Der Höhepunkt war dann wohl die Tatsache, dass der Schwarkollmer Verein es hinbekam, dass er die Kulissen des neuesten Krabatfilmes für seine Mühle, für seinen Krabathof erwerben konnte. Seither fühlen sich die Krabatfans und Besucher in den Film versetzt, wenn sie die "Schwarze Mühle" besuchen. Das war wahrscheinlich der genialste Schachzug des Vereins, der die ganze Vereinsarbeit und das touristische Wirken des Vereins enorm voran brachte! Man stelle sich das mal 25 Jahre vorher vor. Keinem wäre vor 1989 auch nur ansatzweise eingefallen, dass dieses "Nest" Schwarzkollm irgendwann mal so bekannt werden könnte, dass man weltweit eher Schwarzkollm kennt, als die Hauptstadt von Finnland. Glauben sie nicht - probieren Sie es aus. Fragen Sie wildfremde Menschen auf der Straße, wo die Krabatsage spielt und fragen Sie auch wie die Hauptstad von Finnland heißt - ich garantiere Ihnen, dass da erst Schwarzkollm und dann nichts mehr kommt.

Es gibt zwei Fassungen der Krabatsage, eine von dem sorbischen Schriftsteller, der 1916 in Räckelwitz geborene Juri Brezan und eine zweite, weitaus bekanntere als Jugendbuch von Otfried Preußler. Es ist irgendwie eigenartig, wenn man als ehemaliger "Ossi" zur Kenntnis nehmen muss, dass im Schulwesen der DDR die Krabatsage so gut wie nie erwähnt wurde, höchstens an sorbischsprachigen Oberschulen - dafür aber in der alten Bundesrepublik die Krabatsage zum Deutschunterricht gehörte. Da lernten deutsche Schüler in Augsburg oder München den Krabat kennen, aber die in Hoyerswerda wußten nicht einmal, dass es eine solche Sage gab. Krabat war den Verantwortlichen für das sozialistische Schulwesen keine geeignete Lektüre.
Das Brezan-Buch liest sich schwerer und ist beileibe nicht so spannend und kurzweilig, wie das Buch Preußlers.
Das Jugendbuch von Preußler ist aber nicht nur aus diesem Grunde weitaus bekannter als die Version von Brezan. Dass die sorbischen Schüler  von "ihrem sorbischen National-Schriftsteller" eine Sage zu lesen bekamen - ok, das akzeptierte man, die meisten Sorben waren ja sowieso alle kirchlich und für den sozialistischen Staat nicht sonderlich attraktiv; aber die heranwachsende sozialistische Persönlichkeit im staatlichen Schulwesen sollte unverdorben bleiben - und die durfte keinen Krabat kriegen. Mummenschanz gab es nur für die Sorben, die man je nach Bedarf als besonderss Feature des Sozialismus aushängte oder wenn das notwendig war, wieder in der Finsternis des Nichts verschwinden ließ. Außerdem, wer war schon dieser Preußler ? Ein Schriftsteller aus dem befeindeteten Westen - die spinnen wohl - das durfte kein ostdeutscher Schüler zu lesen kriegen. Die sollen Marx und Lenin lesen, das macht sie für Leben fit. Warum und weshalb, das erschließt sich allerdings heute keinem vernünftigen Menschen mehr.

Der Film Krabat aus dem Jahr 2008 ist die zweite Realverfilmung des Themas. 1975 wurde die Sage nach dem Buch von Jurij Brězan unter dem Titel Die schwarze Mühle von Regisseur Celino Bleiweiß für das Fernsehen der DDR verfilmt. 1977 entstand der tschechisch-deutsche Zeichentrickfilm Krabat des Regisseurs Karel Zeman, der sich auf das Buch von Preußler bezieht. Der neueste Film Krabat aus dem Jahr 2008 mutet an, wie der sorbische Harry Potter. 

Die Produktion von Krabat kostete über acht Millionen Euro. Gedreht wurde unter anderem in der Nähe von Sibiu (Rumänien) unter zum Teil sehr widrigen Bedingungen. Weitere Außenszenen wurden in Bonndorf im Schwarzwald gedreht. die Kritiken zu dem Film waren unterschiedlich und reichten von euphorischer Zustimmung bis zur abwertenden Einschätzung, dass der Film oberflächlich und lautstark gewesen sei. Egal aber wie, es gefällt was gefällt. Ich fand den Film super!

Es gibt unzählige literarische Ausgaben des Krabat, besonders aber einen begehrten Band des Krabat von Otfried Preußler mit Holzschnitten von Herbert Holzing, dessen 1.Auflage 1976 bei der Edition Georg Popp Würzburg erfolgte. Dieser Band ist mittlerweile von Sammlern meistgesucht und erzielt bei Auktionen und antiquarischen Onlineangeboten Preise von 150 Euro und mehr. Ich habe 1977 diesen Band als Geschenk von einem Verlag erhalten, dem ich 1975 Zierfischfotos für ein Buch überlassen hatte ( Geld ging ja damals nicht, ohne der Stasi ins Netz zu stolpern) und ich habe ihn damals fluchend  (ich schäme mich) als "Blödsinn" im Koffer auf dem Speicher verschwinden lassen. Heute bin ich froh, ihn zu besitzen und er half mir nach 1989 eine böse Wissenslücke erstmal provisorisch zu füllen, damit nicht jeder merkte, dass mir irgendwo systembedingt "was" fehlte. Zumindest damals habe ich es nicht verstanden, warum man mir hier in der Lausitz den "Krabat" bescherte - was Wunder auch, was wußte ich 1977 wer Krabat war. Der Teufel für jeden guten Kommunisten, ein Spion des Klassenfeindes oder halt sonstwas für Gewäsch der sowieso nicht systemtreuen Sorben.
Heute bin ich stolz auf dieses begehrte Buch.

Krabat ist in unserer strukturschwachen Umgebung inzwischen ein Motor für viele geworden, ebenso wie mehrere Regionen beanspruchen, der wahre Ort der Krabatsage zu sein. Die einen sagen, dass Krabat aus Eutrich stamme, wo man sogar sein Geburtshaus vorzeigen möchte - das ist aber erst in den letzten Jahren erbaut worden, die Nächsten sehen sein Wirken auf Groß Särchen und Wittichenau beschränkt und andere lasen Krabat sogar seine Wunder in der Türkei vollbringen.
Tatsache ist aber, dass das berühmte "Körnchen Wahrheit" wahrscheinlich Johann Schadowitz heißt, ein 1604 in Agram (Kroatien) geborener kroatischer Obrist war, den der sächsische König für seine Verdienste im Türkenkrieg 1691 mit dem Gut Groß Särchen beschenkte und ihn zu Johann VON Schadowitz adelte. Schadowitz führte u.a, beim Tode des Kurfürsten in Tübingen dessen Leichenzug an. Seine ungewöhnlich große Gestalt, sein Wissen und seine Beredsamkeit ließen ihn bei den damals etwas weniger belichteten sorbischen Bauern als Zauberer und Mann mit besonderen Fähigkeiten erscheinen.

Die Bauern nannten ihn den „Kroat“ (sorbisch Chorwat), später Krabat, und unter Johannes Schadowitz erlebte Groß Särchen eine Blütezeit, was zu seiner späteren Legendenbildung beitrug. Als praktizierender Katholik fuhr er vom evangelischen Groß Särchen bis nach Wittichenau, um an Messen teilzunehmen. Johannes Schadowitz starb am 29. Mai 1704 mit 80 Jahren und wurde in der katholischen Pfarrkirche zu Wittichenau bestattet. Nach seinem Tod wurde aus Johannes Schadowitz der Zauberer Krabat, der von den Sorben noch heute als Schutzpatron verehrt wird. Schadowitz war Katholik, wie sein König, allerdings waren alle Bauern von Groß Särchen evangelische Christen. ein Problem war das aber nie. Schadowitz fuhr zu seinen Gottesdiensten nach Wittichenau und seine Bauern gingen in die Kirche in Groß Särchen.Als er am 31.Mai 1704 in Wittichenau in der katholischen Kirche zur letzten Rohe gebettet wurde, standen Katholiken und Protestanten gleichermaßen in Trauer vereint vor seinem Grab und keiner fühlte sich dem anderen überlegen oder von ihm gebeugt. Die Person des legendären Schadowitz hatte hier zum ersten ökumenischen Gottesdienst am Grabe eines großen Mannes in der Geschichte des Glaubens in Deutschland geführt. Das ist ein Fakt, den selbst heute noch kaum jemand wahrnimmt. Bis heute tut sich Rom damit schwer, dabei wurde es 1704 in Wittichenau schon einmal vorgemacht, wie es gehen könnte, wenn man aus dem dreißigjährigen Krieg die richtigen Schlußfolgerungen gezogen hatte.


hier wird irgendwann mal die Bildergalerie für Johann Schadowitz zu finden sein


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