Die Lausitz, Begriff und Ausdehnung und Geschichte

teilweise entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Lausitz

Vor der politischen Wende in der DDR war der Begriff der Lausitz eher einer, der nur in der DDR auf Anhieb sofort jedermann klar war, aber in den alten Bundesländern eher auf fragende Gesichter und Verständnislosigkeit stieß. Nur die Alten, jene, die der Krieg aus ihren Heimatgebieten im Osten vertrieben hatte und die im Westen eine neue Heimat gefunden hatten, konnten in der Regel damit etwas anfangen.

Die Lausitz (etwa „sumpfige, feuchte Wiesen“; niedersorbisch Łužyca, obersorbisch Łužica, polnisch Łużyce, tschechisch Lužice, im Jahre 1005 noch Luzici vom slawischen luzicy für niedriges Sumpfland[1]) ist eine Region in Deutschland und Polen. Sie umfasst den Süden Brandenburgs und den Osten des Freistaates Sachsen sowie Teile der polnischen Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus. Die Lausitz gliedert sich von Nord nach Süd in Niederlausitz, Oberlausitz und Lausitzer Gebirge. Heute bildet der Spreewald den nördlichsten Teil der Niederlausitz; ursprünglich reichte sie bis zum Berliner Müggelsee. Vom Lausitzer Gebirge gehört nur der deutsche Teil, der als Zittauer Gebirge bekannt ist, zur Lausitz, nicht aber der tschechische Teil. Die Lausitzer Neiße bildet heute die Grenze zwischen dem deutschen und dem polnischen Teil der Lausitz.

Die Lausitz bedeckt eine Fläche von etwa 13.000 km² und hat rund 1,35 Mio. Einwohner[2], davon etwa 350.000 in Polen. In Sachsen zählen zur Oberlausitz der Landkreis Görlitz sowie der größte Teil des Landkreises Bautzen. In Brandenburg gehört zur Oberlausitz der Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Zur brandenburgischen Niederlausitz gehören die Landkreise Oberspreewald-Lausitz (bis auf zwei Gemeinden im äußersten Südwesten) und Spree-Neiße, Teile der Landkreise Elbe-Elster, Dahme-Spreewald und Oder-Spree sowie die kreisfreie Stadt Cottbus. In Polen zählen die Landkreise Zgorzelec und Lubań in der Woiwodschaft Niederschlesien sowie der Landkreis Żary und Teile der Landkreise Żagań und Krosno in der Woiwodschaft Lebus zur Lausitz.

Die Lausitz unterteilt sich in zwei landschaftlich völlig unterschiedliche Teile, die Ober- und Niederlausitz.

Hauptorte sind für die Niederlausitz Cottbus (Chóśebuz), Eisenhüttenstadt (ehemaliges Fürstenberg bzw. Stalinstadt), Guben (Gubin), Forst (Baršć), Luckau (Łukow) - die historische Hauptstadt der Niederlausitz, Finsterwalde (Grabin), Senftenberg (Zły Komorow), Spremberg (Grodk), im polnischen Teil Żary (Sorau), im Spreewald Vetschau/Spreewald (Wětošow), Lübben (Lubin), Verwaltungszentrum des Markgraftums (Nieder-)Lausitz, Lübbenau/Spreewald (Lubnjow).

Für die Oberlausitz sind die Sechsstädtebundorte Bautzen (Budyšin) als Verwaltungszentrum, Görlitz (Zhorjelc; der polnische Teil heißt Zgorzelec) als größte Stadt, Lubań (Lauban), Zittau (Žitawa), Löbau (Lubij) und Kamenz (Kamjenc) bedeutend, des Weiteren auch Bischofswerda (Biskopicy), Niesky (Niska), Hoyerswerda (Wojerecy), Weißwasser/O.L. (Běła Woda) und Bad Muskau (Mužakow). In der Oberlausitz sind auch die im südlichen Teil gelegenen Städte und Dörfer mit ihrem reichen architektonischen Schatz an historischen Umgebindehäusern interessant, u.a. Ebersbach/Sa., Großschönau, Wehrsdorf, Sohland an der Spree, Taubenheim/Spree und Obercunnersdorf.

In der Frühphase der Völkerwanderungszeit wanderten germanische Hermunduren in die Lausitz ein und assimilierten die dortige Vorbevölkerung. Sie wanderten zur Zeit der großen Völkerwanderung zum großen Teil nach Thüringen ab. Der Rest der germanischen Bevölkerung vermischte sich mit den neu hinzukommenden Slawen (Sorben), die die nunmehr nur noch dünn besiedelten Gebiete in Besitz nahmen.

Was weitaus weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass die durch die Nibelungensage bekannt gewordenen Burgunder, wohl auch in Gebieten der Lausitz siedelten, ehe sie an den Rhein abwanderten.  Die Vorfahren des Burgunderkönigs Gunther kamen aus dem Gebiet der heutigen Oberlausitz. Eine eigene Herkunftssage haben die Burgunden aber nicht hinterlassen. Plinius der Ältere erwähnte sie zuerst, und zwar als Burgundiones, und bezeichnete sie als Teilvolk der Vandilier. Tacitus nennt diesen Namen nicht. Die wichtigste historische Nachricht über die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Burgunden überlieferte der Geograf Ptolemäus (2,11) für die Mitte des 2. Jahrhunderts. Danach lebten sie östlich der Semnonen und nördlich der Lugier zwischen der Vistula (Weichsel) und dem die westliche Grenze bildenden Fluss Suebus (Oder-Spree-Havel-Unterlauf), das heißt im heutigen Westpolen (Hinterpommern) und Teilen Brandenburgs. Archäologisch gesehen sind die frühesten Siedlungsgebiete der Burgunden vielleicht in einer Kulturgruppe fassbar, die als Lebus-Lausitz-Gruppe oder Luboszyce-Kultur bezeichnet wird und die ihren Schwerpunkt an der mittleren Oder in den Gebieten des heutigen Brandenburg, Westpolen (Hinterpommern) und der Lausitz hatte.

Die Frage, ob die Lausitz von deutscher oder slawischer Seite christianisiert wurde, ist umstritten.[3][4] Nach der ersten deutschen Eroberung im 10. Jahrhundert blieb die slawische Bevölkerung in der Lausitz wohnen; nach der zweiten, endgültigen Angliederung an das ostfränkische Reich 1031 (Frieden von Bautzen mit Polen) kam es dann langsam zur Ansiedlung deutscher Siedler, vor allem dort, wo Platz war, also im Lausitzer Bergland und in freien Gefildestellen. Getragen von der slawischen Bevölkerung erlebte der Landesausbau eine Konjunktur, welches zu einem starken Anwachsen derselbigen führte. Es kam zu häufiger Vermischung der Bevölkerung und dementsprechend ist das heutige Siedlungsbild entstanden.

Die Gebirgsgebiete sind fast durchgängig deutsch besiedelt. Die deutsche Bevölkerung ist in der Oberlausitz überwiegend thüringischer, meißnischer und fränkischer, in der Niederlausitz überwiegend niedersächsischer Herkunft. Das Gefilde ist ein gemischtnationaler Raum. Vor allem auf dem Lande außerhalb von Bautzen und Cottbus stellten die Sorben die Mehrheit der Bevölkerung und somit einen wesentlichen Bestandteil der Lausitzer Tradition und Identität. Im Zuge der Industrialisierung gerieten sie in die Minderheit; Mehrheitsgebiete gibt es heute nur noch im Raum nordwestlich von Bautzen (Gemeinden am Klosterwasser).

Kriegsbedingt musste die Lausitz einen großen Bevölkerungsandrang vor allem aus Schlesien verkraften, welcher in etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte. Durch die verstärkte Industrialisierung der Nieder- und Oberlausitz in den Jahren von 1955 bis 1989 verzeichneten die Räume Cottbus, Hoyerswerda, Weißwasser, Guben, Eisenhüttenstadt und Senftenberg ein rasantes Bevölkerungswachstum. Insbesondere Fachkräfte aus Mecklenburg, dem Erzgebirge und Thüringen wurden sesshaft. Die Umstrukturierung der Industrie führt gegenwärtig in der gesamten Lausitz (Ausnahme Landkreis Dahme-Spreewald) zu einer Abwanderung vieler Einwohner.

Die sorbischen Sprachen sind auch heute noch im Alltag dieser Regionen präsent (sorbische Kultureinrichtungen und Schulen, zweisprachige Straßen- und Ortsschilder etc.). Sie werden unterschieden in Niedersorbisch und Obersorbisch. Der Gebrauch der Sprachen ist in den letzten 100 Jahren allerdings stark zurückgegangen. Wichtige Gründe für diese Entwicklung sind die Industrialisierung, v. a. der Braunkohletagebau und die damit verbundene Zuwanderung vieler Deutschsprachiger seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts, andererseits auch die deutschnationale Politik von Staat und evangelischer Kirche v. a. im Kaiserreich und unter nationalsozialistischer Herrschaft sowie natürliche Assimilationsfaktoren. Die (deutschen) Lausitzischen Dialekte kommen in mehreren Varianten vor.

Als „Lausitzen“ wurden früher zwei verschiedene aneinandergrenzende Länder bezeichnet. Gegenwärtig wird häufiger der Singular Lausitz für beide Regionen gemeinsam verwendet, obwohl er eigentlich nur für das Land der Lusitzi – die Niederlausitz (Mark Lausitz) – galt, während die Oberlausitz, das Land der Milzener, noch andere Namen, zum Beispiel Sechstädteland, führte und erst seit Ende des 15. Jahrhunderts ebenfalls so heißt. Die Geschichte beider Länder weist viele Parallelen auf. Aufgrund der Tatsache, dass beide Teilregionen aber eigene Teilstaaten waren und teilweise erheblich unterschiedliche Entwicklungen nahmen, sollte jedoch in der Regel eine getrennte Betrachtung erfolgen. 1816 kam die vom Königreich Sachsen abzutretende nordöstliche Hälfte der Oberlausitz zur preußischen Provinz Schlesien.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen für einen Lausitzer Freistaat; nach dem Zweiten Weltkrieg forderte der in Prag ansässige Sorbische Nationalausschuss die Unabhängigkeit der Lausitz bzw. ihren Anschluss an die Tschechoslowakei.

Bei den Verhandlungen zum Einheitsvertrag wurde von Vertretern der Domowina (Dachverband der Sorben der Ober- und Niederlausitz) gefordert, die gesamte Lausitz Sachsen zuzusprechen. Nach Volksbefragungen in den Kreisen Senftenberg, Hoyerswerda und Bad Liebenwerda, wurden, teils entgegen den Ergebnissen, nur der Kreis Hoyerswerda und der Kreis Weißwasser sächsisch. Regionalistische Bestrebungen im Zuge der Länderneugliederung von 1990 (Initiative „Für eine ungeteilte Lausitz“) fanden kaum Widerhall.

Wenigen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland dürfte heute noch bekannt sein, dass Spremberg (Grodk) von 1871 bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrags 1920 ein geographischer Mittelpunkt des Deutschen Reiches war. Ein Gedenkstein im Ort gibt Auskunft darüber.
Kreuze am Ortseingang von Lakoma erinnern an die abgebaggerten Lausitzdörfer

Die Lausitz war das Energiegewinnungszentrum der DDR und gewinnt gegenwärtig die frühere, überregionale Bedeutung als Energielieferant zurück. Zum einen geschieht dies durch Errichtung von Windkraftanlagen, durch Solarkraft als auch durch die Nutzung des Lausitzer Braunkohlenvorrates entlang des Lausitzer Grenzwalls. Der Tagebau Reichwalde wurde im Jahr 2010 wieder in Betrieb genommen. Die Tagebaurestlöcher werden in der Regel mit Wasser aufgefüllt womit die Seenplatte Lausitzer Seenland entsteht. Dem Braunkohletagebau mussten in den vergangenen 100 Jahren, vor allem aber nach 1950 fast 26.000 Menschen und dutzende Orte weichen.

Unmittelbar nach der politischen Wende in der DDR kam noch einmal bei einigen wenigen Wirrköpfen der Gedanke auf, einen eigenen sorbischen Freistaat mit Bautzen als Hauptstadt ins Leben zu rufen. Allerdings machte die Absurdität des Gedanken der Sache schon nach wenigen Tagen ein radikales Ende, zumal dann auch noch in Thüringen ähnlichen sinnfreie Ambitionen zur Kleinstaaterei aufkamen und weil es schier unmöglich war Millionen deutschsprachige Einwohner in einem solchen sorbischen Nationalstaat mit der Amtssprache Sorbisch etwa der Tschechoslowakei anzugliedern oder diese etwa nach "Rest"-Sachsen ins Deutsche umzusiedeln. Diese Gedanken, waren so unsinnig, dass sie bei der Masse der Bevölkerung eher zur Belustigung führten als zu ernsthaften Überlegungen. Zumindest wurden ja dann Sachsen und Thüringen Freistaat, was dem Ego der Bewohner dieser Bundesländer wohl am ehesten schmeichelte. Die Bayern haben es uns ja vorgemacht, sei es mit einem eigenen Roten Kreuz oder mit einer Botschaft in Berlin. Der Eiserne Kanzler Bismarck würde die Kerle, die sich das damals ausgedacht haben, sicherlich mindestens symbolisch durchprügeln, wenn er aus seiner Gruft heraus kommen könnte, hatte er die Kleinstaaterei in Deutschland doch erst beseitigt.


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