Bilder vom Abbau der Braunkohle



Es gibt wenig zu kommentieren, wenn die Dörfer abgerissen, die Menschen umgesiedelt, das Land trocken gelegt und die Bagger erst einmal da sind. Der entstandene Zustand - egal ob wir ihn jetzt als notwendiges Übel oder als Schaden bezeichnen wollen - das alles ist unumkehrbar. Das was da links zu sehen ist, das ist ein Abraumfeld, so wie die Förderbrücke hin und her fährt, kippt sie das Erdreich von der einen Seite (rechts außerhalb des Bildes) links auf das Abraumfeld. So entstehen die charakteristischen Abwurflinien. Obgleich es schwarzbraun aussieht, ist das keine Kohle. Das ist die Erde von unten nach oben gewendet, gesiebt und wieder ausgespuckt. Das war einmal ein dichtes großen Waldgebiet, durch welches die Straße von Weißwasser nach Bautzen führte. Ein wunderschönes Stück Wald mit einer eigenen alten Försterei, es war angenehm dort hinein und hindurch zu fahren. Ich kannte diesen schönen Wald noch als ich in den 70er Jahren in Weißwasser wohnte. Dann war auf einmal die Straße gesperrt und als letztes stand dann traurig und allein die Försterei am Wege. Man hat es hingenommen - es mußte sein, schließlich brauchte das Land Strom und Strom wurde nun mal aus Kohle gemacht. So einfach war das erklärt und begründet und so selbstverständlich nahm man das hin. Ohne Murren und ohne Widerspruch und heute muß man sagen, auch ohne groß drüber nachzudenken.

Das Bild entstand mit einer Nikon D5000 nach einer frostigen Nacht am 04.März 2010 vormittags so etwa um 9:15 Uhr am Aussichtsbpunkt des sogenannten "schweren Berg's" bei Weißwasser mit Blick in Richtung des Kraftwerkes Boxberg über das Abraumfeld des Braunkohlentagebaues Nochten I hinweg.






Man muß den allzu Ungeduldigen aber auch sagen, dass die Energiewende keine Sache ist, bei der man mal schnell den Schalter herum dreht, sondern das ist ein sehr komplexer und umfangreicher Umstellungsprozess von Jahren bis Jahrzehnten. Selbst der "grünen Energie" zugetane Wissenschaftler, die aber den Blick für die Realität nicht verloren haben, sprechen von etwa 35 Jahren bis die Wende hin zur ausschließlichen Energie aus sich erneuerbaren Quellen abgeschlossen ist. Solange wird man - freilich immer weniger und evtl. ganz verschwindend - noch die heimische Braunkohle mit einsetzen müssen. Solange wird es dann auch immer wieder Dörfer und Ansiedlungen geben, die dem Braunkohlenabbau weichen müssen. Das ist bitter für die Betroffenen, aber nach den jetzigen Erkenntnissen nicht zu umgehen.


Es hat auch wenig Sinn ständig alleinig nach hinten zu schauen und zu beweinen, was die Kohle vernichtet hat, aber die Bilder sollten den Gedanken hervorrufen, was mit der Kohle alles Tag für Tag von unserer Umwelt genommen wird und wie wichtig es ist, eine Energiewende zur Solar- oder Wind-Energie ohne Verzögerungen durchzuführen. Klar ist natürlich, dass die, die ihr Geld mit Kohle verdienen, aller Welt den Schrecken vermitteln wollen, dass das Licht ausgeht, wenn überhaupt einmal auf Atom und Kohle verzichten wolle. Das kann durchaus auch so werden, wenn man es abrupt täte und nicht durchdacht oder nur halbherzig und nicht vollständig tut; es wird aber nicht eintreten, wenn die Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen zu sauberem Strom wirklich gewollt ist und so vollzogen wird, dass die Menschen damit ihr Auskommen haben und mit der Erzeugung von grünem Strom genauso leben können, wie vorher mit der Braunkohle.




Der Tagebau Nochten I



Dieser Tagebau wurde 1968 aufgeschlossen und ist nach wie vor noch in Betrieb und so wie es aussieht, wird er sich auch als Tagebau Nochten II weiter in die Landschaft fressen. Inzwischen stehen die Ortschaften Rohne, Mühlrose, Mulkwitz, Klein-Trebendorf und Teile des Ortes Schleife zur Disposition, ein Umstand der auch mich überraschte, denn das Überbaggern dieser Orte stand in der DDR noch nicht zur Debatte und auch nach der politischen Wende glaubte niemand daran, dass es noch passieren könne. Wahrscheinlich hielt das auch niemand für möglich weil gerade Schleife eines der bekanntesten Zentren der sorbischen Kultur ist und sich hier im Verlaufe der Jahrhunderte sogar eine eigene "Schleifer Tracht" und spezielles Brauchtum herausgebildet hatte. Um so größer war die Betroffenheit, als es dann verbindlich hieß, dass Schleife, d.h. zumindest partiell überbaggert werden würde.

Allerdings frage ich mich auch, wenn der oder die Betroffenen ein paar Kilometer weiter nach rechts oder links ziehen - es wird z.B. nicht der gesamte Ort Schleife devastiert - wohin verschwindet dann die sorbische Traditionskultur und die Sprache der Sorben, so wie das immer beschwörend behauptet wird? Bleibt die Schleifer Tracht dann im abzubaggernden Boden liegen, verschwinden die bekannten Dudelsackspieler und Hochzeitsbitter mit der Abbaggerung später mal im Kohlewaggon und werden im Kraftwerk Boxberg verheizt ? Die Darstellungsweise der Kohlegegner, was dann alles unwiderbringlich verloren ginge ist zwar emotional verständlich, aber sie ist unlogisch. Wenn - angenommen - die Menschen aus den Orten Mulkwitz, Rohne, Mühlrose und Trebendorf umsiedeln in den Bereich des Ortes Schleife, der von der Kohle nicht berührt werden wird und  zu dem sie ja sowieso schon gehörten, warum verschwindet dann deren sorbische Tradition ? Außerdem gibt es bisher kein einziges Beispiel, wo jemals einer der Umsiedler sein Haus und Hof, egal in welchem Zustand, nicht zum Wert des Neubaus  entschädigt worden wäre. Die Darstellung der Kohlegegner, bei denen Vattenfall nicht selten als der Landräuber  und als Vernichter ethnischer Minderheiten und Volksgruppen angeprangert wird, das ist schlichtweg falsch und politisch gezielt.

Links zeigt das Bild den Aussichtsturm am schweren Berg bei Weißwasser, direkt am Rand des Tagebaues, von wo aus man über den Findlingspark nach Nochten schauen kann, oder in Richtung des Kraftwerkes Boxberg, wo weit am Horizint die Berge der Oberlausitz zu sehen sind, bei sehr klarem Wetter mit einem guten Fernglas - möglichst auf einem Stativ - sogar der Fernsehturm im tschechischen Liberec auf dem Jelinek. Nach rechts geht der Blick in und über den Tagebau, wenn man Glück hat steht die imposante Brücke sogar weit vorn und in der Ferne sieht man den Dampf des Kraftwerkes Schwarze Pumpe aufsteigen.

Sicherlich ist es eines der Ziele von Vattenfall mit speziellen Aussichtspunkten für Transparenz zu sorgen und damit um Verständnis bei den Bürgern zu werben, im Unterschied zur DDR kann man heute den Tagebau fotografieren oder sich dort herumbewegen, alles anschauen und sich selbst ein Bild machen, ohne dann in schwere Probleme zu geraten - aber das mindert das Problem der Betroffenen, die ihre Höfe verlassen müsse, natürlich nicht.

Der Tagebau ist die Unbedarften ein imposantes Ding und immer wieder stellt man fest, dass die meisten Menschen glauben, die Förderbrücke sei es, die die Kohle ausgräbt und fördert. Die Förderbrücke baggert aber nur den "Dreck" über der Kohle von rechts nach links. Auf dem Bild das Erdreich über dem Flöz rechts baggern die Abraumbagger das Erdreich in Stufen ab und die Brücke transportiert dieses nach Links als "Abraum" auf die Halde. Damit wird unter der Brücke das eigentliche Kohleflöz freigelegt, auf dem die kleineren auf dem Kohleflöz herumfahrenden Kohlebagger auf Raupenketten laufend tätig werden und die Rohbraunkohle auf ein langes Förderband aufbringen, welches dann die Kohle entweder zur Verladung in Waggons oder gleich zur Verbrennung ins Kraftwerk verbringt. Damit das alles reibungslos ablaufen kann, wurde vorher das Grundwasser abgesenkt, der Boden trocknete total aus. Nur so wird gewährleistet, dass die Bagger und die Brücke einen festen Stand auf dem trockenen Boden haben. Wenn man so will, der Boden der rechts ganz außen und oben am Horizont noch Bäume hat und lebender Boden ist, der landet früher oder später als totes, trocknes durchgesiebtes Erdreich links auf der Halde. Die Sahara kann nicht trockner sein, sie ist aber sauberer. Das "Loch", d.h. der Tagebau "wandert" auf diese Art, gesehen an dem Bild, bewegt es sich von links nach rechts, die Vorschnittbagger fressen sich in den Boden immer weiter hinein und die Brücke "wirft es hinter sich" auf die Halde.

In der Austrocknung von etwa 60m Erdreich (durch die Entwässerung) und dessen völliger struktureller Vernichtung, die Umbaggerung kommt einem Durchsieben gleich - darin liegt das Problem. Aus dem jahrtausende alten gewachsenen Boden entsteht gesiebter Sand, der nicht so ohne Weiteres wieder zu kultivieren geht.















Der Tagebau Reichwalde Text übernommen aus Wikipedia

Auch dieser Tagebau ist noch in Betrieb und das mit allen seinen Beeinträchtigungen, die bei einem solchen Tagebau auf die ihn umgebende Umwelt entstehen. Bereits 1980 begann seine Erschließung und seit 1987 wird in Reichwalde Kohle gefördert. Die Braunkohle lagert im Tagebau Reichwalde bis zu 85 Meter unter der Erdoberfläche. Das Flöz hat eine Mächtigkeit von neun bis zwölf Metern. Die Vorräte belaufen sich auf 366 Millionen Tonnen Braunkohle. Die Förderung wurde 1999 aus Rentabilitätsgründen gestundet. 2007 begannen die Arbeiten für die Wiederinbetriebnahme, die laut Vattenfall etwa 330 Millionen Euro kosten. Unter anderem wurden alle Fördergeräte – darunter auch die Förderbrücke F60 – erneuert. Seit Anfang April 2010 werden in Reichwalde wieder Abraummassen umgesetzt um die notwendige Kohlefreilage für den Grubenbetrieb zu schaffen. Im Dezember 2010 wurde die Braunkohleförderung wieder aufgenommen, geplant ist der Abbau bis ca. 2040. Bisher wurden fünf Ortschaften überbaggert. Alle evakuierten bzw. abgebaggerten Dörfer gehörten zum zentralen Siedlungsgebiet der Sorben und hatten noch in den 1880er Jahren einen Anteil von über 90 % sorbischsprachigen Einwohnern.
Von der Erweiterung des Tagebau-Nordfeldes ab 2010 wären laut Braunkohleplan langfristig auch ein großer Teil des Truppenübungsplatzes Oberlausitz sowie die Bahnstrecke Berlin–Görlitz betroffen. Das Tagebaugebiet soll künftig im Osten bis nach Hammerstadt und zur Bundesstraße 115 reichen. Damit würde es seine heutige Ausdehnung vervierfachen.













Diese Ansichten , hier von der Tagebaukante Reichwalde, oben vom ehemaligen Aussichtspunkt des Tagebaues Nochten - diese Ansichten haben bei meinen Gästen und Besuchern aus Thüringen, aus dem Schwarzwald und aus Bayern fast immer zu "Ein"sichten geführt. Keiner von ihnen hatte so etwas jemals gesehen und keiner hatte bis dahin über die beispiellose Landnahme des himmelsoffenen Bergbaues auch nur die geringste Vorstellung gehabt. Andersherum konnte aber keiner die Frage beantworten, wie die riesige Menge Strom, die in den Kohlekraftwerken der Lausitz produziert wird, von heute auf morgen anders produziert werden sollte. Die Verstromung der Kohle und damit auch alle Nachteile des Abbaus werden selbst bei rigiroser Einhaltung der Planvorgaben der Energiewende mindestens 30 Jahre weiter stattfinden müssen. Alles andere ist Polemik und Populismus von Leuten, wie bei der nächsten Wahl wieder in Amt und Würden kommen wollen.




Ich war zuletzt auch mit meiner damals 6-jährigen Enkelin "vor Ort" und hatte ihr vorher nicht angekündigt, was es zu sehen geben würde. Dort angekommen, wollte sie natürlich erklärt haben, warum und weshalb man hier was aus dem Boden holte und wohin die geförderte Kohle dann käme und warum. Im Hintergrund dampfte ja sichtbar das Kohlekraftwerk und das dort der Strom produziert wurde, den sie abends aus der Steckdose bekam, damit der Fernseher mit dem Sandmännchen laufen konnte, das alles wußte sie schon - alles klar, das wurde verstanden. 
trotzdem, Opa, das hier will mir jetzt aber gar nicht gefallen, hier sind ja alle Bäume und alle Tiere weg. Ich sagte ihr, dass bei uns wohl das Licht ausgehen würde, der Fernseher nicht mehr liege etc., wenn das am Horizont vor sich hin dampfende Ungeheuer einfach abschalten würden. Gut das geht auch nicht, aber dann muß man eben was Neues erfinden, fand sie.
Vielleicht findet diese Generation wirklich mal neue Wege, die über medienwirksame Politikerspiele hinausgehen. In 35 Jahren ist sie 41 und vielleicht gibt es dann den Braunkohlenbergbau nicht mehr. Vielleicht erinnert sie sich da noch an das große schwarze Loch ohne Bäume und Tiere, dass ihr 35 Jahre vorher ihr Opa gezeigt hatte (nun ja - und vielleicht erinnert sie sich auch noch an den Großvater ).









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