Klein, aber fein - die Große Kreisstadt Kamenz im Landkreis Bautzen
Text aus überwiegend Wikipedia


Die Lessingstadt Kamenz, obersorbisch Kamjenc (wörtlich „Kleiner Ort am Stein“), ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen in Sachsen. Sie liegt etwa 40 km nordöstlich von Dresden und etwa 30 km nordwestlich von Bautzen. Die Stadt liegt in der westlichen Oberlausitz am Fuße des Hutberges im Naturraum Westlausitzer Hügel- und Bergland. Die Gegend bildet die Nahtstelle zwischen der flachen Teichlandschaft im Norden, eine der größten Wasserflächen – der Deutschbaselitzer Großteich – befindet sich auf Kamenzer Gebiet, und dem Lausitzer Bergland im Süden. Dementsprechend ist die Landschaft im Norden von flachwelliger Heide geprägt, die nach Süden hin relativ rasch ansteigt und im Ortsteil Hennersdorf bereits Mittelgebirgscharakter zeigt. Von Süden kommend und sich im Stadtgebiet mit einigen weiteren kleinen Bächen, wie dem „Langen Wasser“, vereinigend durchfließt die Schwarze Elster Kamenz in Richtung Norden.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Altstadt eine Burg zur Sicherung des Überganges der Via Regia über die Schwarze Elster erbaut. Die Via Regia war damals ein überregional bedeutender Handelsweg von Belgien bis hinein nach Schlesien. 1225 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, seit 1319 war Kamenz freie Stadt. Über fehlenden historischen Nachlass kann sich das fast 800 Jahre alte "Kamjenc" - aus dem Slawischen für "Ort am Stein" - nicht beklagen. 1225 erstmalig erwähnt, gelangte es schon im Mittelalter zu Reichtum und Unabhängigkeit. Dies ist vor allem der Lage an der königlichen Handelsstraße "Via Regia" und der Mitgliedschaft im 1346 zusammen mit Bautzen, Löbau, Zittau, Görlitz und Lauban (polnisch Luban) gegründeten Oberlausitzer Sechsstädtebund zu verdanken. 1346 wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, dessen westlichste Mitgliedsstadt Kamenz wurde. 1547 war Kamenz somit auch vom Oberlausitzer Pönfall betroffen. Die klassizistische Innenstadt symbolisiert noch heute den bürgerlichen Stolz der Kamenzer. Das Rathaus im Stil der italienischen Neo-Renaissance erhebt sich majestätisch über den roten Ziegeldächern am Marktplatz und ist Mittelpunkt des Architektur-Ensembles.Im Jahre 1707 vernichtete ein großer Stadtbrand viele Häuser in der Altstadt.

1729 wurde der Dichter und Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz als Sohn des evangelischen Pfarrers geboren. Gotthold Ephraim Lessing war das dritte Kind und der zweitälteste Sohn des Kamenzer Archidiakons Johann Gottfried Lessing und seiner Frau Justina Salome (geb. Feller) (neun Geschwister folgten im Laufe der Jahre, jedoch überlebten nur sieben seiner Geschwister ihren ersten Lebenstag, sodass Gotthold letztendlich der älteste Sohn war); am 24. Januar 1729 wurde er in der St. Marienkirche in Kamenz durch seinen Großvater Gottfried Feller getauft. Eine Zeitreise zu Gotthold Ephraim Lessing beginnt in der Geburtsstätte im Lessinggässchen. Sein Geburtshaus war bei einem Brand leider vernichtet worden, aber die Kamenzer Bürger errichteten an anderer Stelle ein repräsentatives Gebäude und eröffneten darin 1931 das Lessing-Museum. Es widmet sich dem ungewöhnlichen Lebensweg, Werk und Wirkung des Dichters der Aufklärung.

Am 15. Februar 1781 starb Lessing an Brustwassersucht bei einem Besuch in Braunschweig im Hause des Weinhändlers Angott nach vierzehntägiger Krankheit. Er wurde auf dem Braunschweiger Magnifriedhof beigesetzt. 1793 setzte ihm der Braunschweiger Verleger Johann Heinrich Campe einen einfachen Stein mit Lessings Namen und Geburts- und Todestags. Sein Grab galt als verschollen und wurde 1833 von dem Braunschweiger Privatgelehrten und Kunsthistoriker Carl Schiller wieder aufgefunden. Kamenz hat damit keine Grabstelle für Lessings letzte Ruhe. Das im Ehrenhof zwischen dem Lessinghaus und dem Röhrmeisterhaus in der Stadt Kamenz stehende Lessingdenkmal ist eine Arbeit von Bildhauer Hermann Knaur aus dem Jahr 1863 und ist kein Grabstein oder etwas ähnliches, auch wenn das jahrelang im Heimatunterricht in den DDR-Schulen "angedeutet" wurde- vielleicht weil die letzte Ruhestätte des größten Kamenzer Sohnes in Braunschweig und damit im feinlichen Westen war, und das nicht akzeptiert werden konnte. So ließ man offen, wo Lessing denn begraben wäre und nährte zumindest gerüchtweise die Meinung, dass Lessing auf dem Grundstück des heutigen Lessinghauses in Kamenz begraben sein könne. so sagte man nicht Falsches aber auch nichts Richtiges und die Behauptung Lessing läge irgendwo in Kamenz wurde auf diese Art und Weise 40 Jahre lang am Leben erhalten.


Das berühmte "Lessinghaus" in Hoyerswerda, welches heute noch exisitiert, war entgegen anderslautenden Angaben ebenfalls niemals das Wohnhaus des Dichters und Schriftstellers, sondern gehörte einem seiner Brüder, Theophilus Lessing dem Älteren, seines Zeichens Amtmann in Hoyerswerda im Dienste der Reichgräfin Teschen stehend. Er und später sein Sohn Theophilus der Jüngere trugen entscheidend zur geistigen Entwicklung in der Stadt Hoyerswerda bei, aber Gotthold Ebrahim Lessing hatte mit Hoyerswerda in Wahrheit nur insoweit zu tun, als dass er seinen Bruder gelegentlich in Hoyerswerda besuchte.

1896 wurde in Kamenz auf Grund eines königlichen Beschlusses eine ständige Garnison eingerichtet. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde hier und in den anderen beiden Garnisonen der sächsischen Oberlausitz (Zittau und Bautzen) das Königlich Sächsische Reserve-Infanterie-Regiment 242 aufgestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges vom Oktober 1944 bis April 1945 wurde im Gebäude der stillgelegten Tuchfabrik Gebr. Noßke & Co. Herrental Nr. 9 (Tarnname „Elster GmbH") ein Außenlager des KZ Groß-Rosen betrieben, in dem nahezu 1.000 Häftlinge, unter ihnen 150 Juden, die für die Daimler-Benz AG Flugzeugmotorenteile herstellen mussten. Bis 1990 befand sich in Kamenz die Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Franz Mehring der NVA mit zeitweise 1.500 Studierenden. Die blau-grauen Uniformen bestimmten das Bild der Kleinstadt. Auch der erste Deutsche im All, der Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn studierte hier in Kamenz und wurde zum Jagdflieger ausgebildet.

Bis Juli 2008 bestand der Landkreis Kamenz.

Das Rathaus Kamenz wurde 1847 bis 1848 durch Carl August Schramm im Stil der italienischen Neorenaissance erbaut. Auf dem Markt vor dem Rathaus befindet sich der Andreasbrunnen mit Justitia-Statue aus Sandstein.
Im Süden der Altstadt sind Reste der mittelalterlichen Stadt- und Klosterbefestigung zu sehen, vor allem der Rote Turm, die Stadtschreiberbastei („Pichschuppen“), die Mönchsmauer und das Klostertor. Die evangelische Hauptkirche St. Marien (erbaut 1275 bis 1479, spätgotische Hallenkirche) ist die einzige aus Granit erbaute Hallenkirche nördlich der Alpen. Unmittelbar daneben steht die Katechismuskirche (Wehrkirche, vor 1358). Ebenfalls im Süden der Stadt liegt der Barmherzigkeitsstift mit Bönisch-Mausoleum, ein 1826 fertiggestelltes Krankenhaus für die Ärmsten der Armen.

Am Nordrand der Altstadt steht die Klosterkirche St. Annen (ca. 1510) mit insgesamt fünf spätgotischen Schnitzaltären und weiteren sakralen Kostbarkeiten. Gegenüber befindet sich die Lessing-Gedenkstätte am ehemaligen Standort des Geburtshauses Lessings. Das Lessinghaus gehört zu den 20 kulturellen Gedächtnisorten in den neuen Ländern. Weiter westlich steht eine Kursächsische Postdistanzsäule, errichtet 1725 am ehemaligen Königsbrücker Tor, heute Bönischplatz. Die vierte evangelische Kirche der Stadt ist die Begräbniskirche St. Just, die bereits als Pilger-Kapelle vor 1377 genannt wird.

Am äußersten Westrand der Kernstadt liegt die Hutbergbühne, eine Freilichtbühne für bis zu 10.000 Zuschauer. Am Ortsausgang Richtung Pulsnitz steht ein Königlich-sächsischer Ganzmeilenstein aus der Zeit von 1859 bis 1860. Eine Gedenktafel am Fabrikgebäude Herrental Nr. 9 erinnert an 125 KZ-Häftlinge, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.


Eine besondere Spezialität der Stadt ist das Kamenzer Würstchen, kurz auch „Kamenzer“ genannt. Die Knackwurst wird roh oder in Wasser erhitzt gegessen und ist bei vielen Kamenzer Familien zusammen mit Kartoffelsalat das traditionelle Gericht am Heiligen Abend. Die Füllung besteht zu je einem Drittel aus magerem und fettem Rindfleisch sowie aus durchwachsenem Schweinefleisch. Manche Fleischer mischen auch Schafsfleisch bei. Das Brät wird mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Zwiebel und Paprika gewürzt, in Saitlinge abgefüllt und dann heiß geräuchert. Es wird vermutet, dass das Rezept ursprünglich aus dem nahen Städtchen Wittichenau stammt. Inzwischen wurden die Kamenzer Würstchen durch in Kamenz ausgebildete Fleischergesellen auch in anderen Teilen Ostsachsens bekannt gemacht.

Der wohl bekannteste Sohn der Stadt Kamenz ist der Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), dessen Vater, Johann Gottfried Lessing, Pastor an der Hauptkirche St. Marien war. Das Geburtshaus Lessings wurde beim letzten großen Stadtbrand 1842 vernichtet, doch erinnert heute ein Museum an den berühmtesten Sohn der Stadt.
Bruno Richard Hauptmann (1899–1936), ein deutscher Emigrant, der wegen der Entführung und der Ermordung von Charles Lindberghs Sohn Charles Lindbergh III zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, ist ebenfalls in Kamenz geboren worden. Seine Schuld gilt heute als nicht mehr erwiesen und seine Beteiligung an der Entführung und Ermordung des Babys wurde aufgrund falscher Angaben und Schlußfolgerungen angenommen.
International bekannt ist zudem Georg Baselitz (* 1938 als Hans-Georg Kern im Ortsteil Deutschbaselitz), der einer der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart ist und der durch seine kopfstehenden Gemälde bekannt wurde.

Hier wird in den nächsten Tagen der Bildertisch zur Stadt Kamenz zu finden sein.





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