Hier möchte ich alles vorstellen, was zum Thema der Braunkohlenförderung und Energiegewinnung in der Region fotografisch anliegt:

Zum Auftakt ein paar Informationen über eines der imposantesten Tagebaugroßgeräte,
über die Abraumförderbrücke F60

Ich bitte Sie, haben Sie Verständnis dafür, dass ich unten stehendes  Bild in relativ schlechter Qualität und mit meinem Namenszug versehen abspeichere. Inzwischen ist aber der Bilderklau derart angestiegen, dass man sich irgendwie wehren muß, selbst wenn man sich damit die eigenen Bilder versaut. Leider ist das so und es gibt nichts dagegen, was letztendlich wirklich effektiv hilft.

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Die Braunkohlengewinnung prägte seit fast 100 Jahren das Gesicht der Lausitz, speziell auch in meiner Region um Hoyerswerda und Weißwasser.  Aktuell und noch am Laufen ist seit über 30 Jahren der Großtagebau Nochten. Man kann nicht viel dazu sagen, insbesondere sind es auch die Emotionen, die einen hier immer wieder ergreifen, wenn man einerseits die riesige Landvernichtung sieht, andererseits aber wohl weiß, dass es keine Alternative zumindest bis jetzt gibt. Ich habe selbst dort jahrelang in verschiedensten Funktionen und Abteilungen gearbeitet und in mir sind es einerseits der Bergmann und andererseits auch der Umweltschützer, die miteinander streiten.

Das obere Bild zeigt die heute noch in Betrieb befiindliche Abraumförderbrücke F60 im Tagebau Nochten nahe Weißwasser. Würde man übrigens den Eiffelturm "daneben legen", so wäre dieser etwa ein Drittel kleiner als die Förderbrücke. Was diese Brücke hinterläßt, ist ein durch und durch umgegrabenes, 60 Meter tiefes, nahezu zu Tode gesiebtes Erdreich ohne Wasser und seit über drei Jahrzehnten bewegt sich diese riesenhafte mönströse "Loch", in dem das Gerät arbeitet lansam und aufhörlich durch die Landschaft. Der Preis für die Energie, die wir alle brauchen und die wir mitunter sorglos verschwenden, dieser Preis ist sehr hoch.


Die Mondlandschaft, die der Bergbau hinterläßt, muß dann wirgendwie wieder zum Leben erweckt werden, sei es dass man alte Tagebau flutet und zu Seen umfunktioniert, oder dass man Kippen begrünt und wieder urbar macht. Doch was in hundertausenden Jahren und vor allem länger gewachsen ist, kann man selten in 10 Jahren wieder aufschütten und einfach "etwas wachsen lassen". Das Absacken von Uferböschungen, das Einbrechen von Straßen, Grundbrüche und immer wieder alle möglichen gefährlichen Verwerfungen und Absenkungen der "Neuen Landes" zeigen auf eindringliche Art und Weise, dass die Natur ihren Weg geht und nicht den, der ihr vom Menschen aufgezwungen werden soll. Aber das ist ein anderes Thema.


Hier finden Sie das Album des aktuellen Nochtener Tagebau.


So war ich natürlich ziemlich interessiert, als ich über diese Website vom "Schaubergwerk Schaksdorf-Lichterfelde" erfuhr, wo eine nur kurzzeitig genutzte stillgelegte baugleiche Abraumförderbrücke F60 zur Begehung und Besichtigung vorhanden war. Der Gigant war 1991 neu in Betrieb gegangen und wurde schon nach 13 Monaten aus energiepolitischen Gründen wieder stillgelegt und sollte verschrottet werden. Gemessen an der Abraumförderbrücke F60 in Nochten, die 1974 in Betrieb gegangen war und bis zum heutigen Tage noch Abraum bewegt, also langsam mitgelesen: die seit 36 Jahren in Betrieb arbeitet - im Vergleich zu dieser war die F60 in Lichterfelde noch nicht einmal "warm gelaufen", als sie wieder außer Betrieb ging. Bis 1997 währte der Kampf um die Förderbrücke, die bereits zur Sprengung vorbereitet war, und 1998 wurde die Brücke endlich als Industriedenkmal das Flagschiff des Projektes "Fürst-Pückler-Land" in Brandenburg. Ebenfalls 1998 wird die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf Eigentümerin dieser riesigen Arbeitsmaschine. Am 4. Mai 2002 wird die Brücke endlich als sogenanntes Besucherbergwerk eröffnet.

Das uneffektive Leben der F60 von Schaksdorf-Lichterfelde drängt sich einem gedanklich auf, wenn man heute sieht, wie die Eröffnung des Tagebaues "Nochten-II" vorangetrieben wird, dem die Urlandschaft und die Wohndörfer der Schleifer Sorben zum Opfer fallen werden.
Für diese ineffektivste und dreckigste Art der Energiegewinnung sollen die Dörfer Rohne, Mulkwitz, Schleife Süd,Mühlrose, Klein-Trebendorf und Trebendorf-Hinterberg und insgesamt fast 1600 Menschen umgesiedelt werden. Etliche Familien von denen sind bereits schon einmal durch die Braunkohle umgesiedelt worden. Damals hieß es, jetzt wäre es entgültig und nicht mehr veränderlich. Ein großes Stück sorbischer Kultur würde unwiederbringlich verloren gehen. Die regionale Sprach-, Trachten-, Bau- und Handwerks-Tradition ist dann wohl für immer verloren und kann auch nicht "sozialverträglich" an einem anderen Ort wieder­hergestellt werden. Ebenso wird wertvolle Fläche, die jahrhundertelang mühsam kultiviert wurde, einfach weggebaggert. Übrig bleiben saure Böden, saure Flüsse und Seen, monotone Neuanpflanzungen und Uferbereiche, die aufgrund der Rutschungsgefahr die nächsten hundert Jahre wohl nicht betreten werden dürfen. Geschichte scheint sich zu wiederholen, denn niemand hört auf die mahnenden Worte einiger Wissenschaftler, die da meinen, dass Nochten-II nie die Fördermenge und Qualität erbringen wird,  die man heute dem Neuaufschluß zuordnet und dass Nochten-II ebenso kläglich wie Schaksdorf-Lichterfelde schon nach wenigen Jahren wieder aufgegeben werden wird. Dann aber sind die Dörfer hier ebenso wie damals unwiderbringlich verloren. Die Region um Schleife ist ein Kernland der sorbischen Kultur.

Deshalb fordern die Bürger einen Strukturwandel jetzt - kein Nochten II mehr! Die Lausitz gilt deutschlandweit als eine der strukturschwächsten Regionen und das, obwohl man hier über Jahrzehnte seit Anbeginn des vorigen Jahrhunderts von dem bisher wichtigsten heimischen Rohstoff, der Kohle, lebt. Wie kann es sein, dass die Region, in der die Kohle abgebaut wird, fast nichts davon hat? Wo fließen die Gewinne der Bergbautreibenden und der Staatsregierung denn hin? Die Bewohner der Region wollen für die Lausitz nicht nur das Ende der Zerstörung wertvoller Siedlungs-, Natur-, Landwirtschafts- und Tourismus-Flächen, sondern sie fordern von der Regierung und den Bergbau­treibendenInvestitionen in die Region, die auch nach der Kohle noch etwas wert sind. Der Erhalt der Lausitzer Kultur und Natur und die Stärkung der Infrastruktur stehen an erster Stelle, damit die Menschen weiterhin Arbeit finden, ihre Kinder großziehen und ihr Alter ohne Angst genießen können.

Im Juni 2008 besuchte ich die Förderbrücke in Schaksdorf-Lichterfelde, etwas aufgeregt, denn "meine" haargenau gleiche Förderbrücke läuft heute noch im Großtagebau Nochten seit über 30 Jahren - eben diese Förderbrücke auf der ich manches Mal als einer der Redakteure der Betriebszeitung "Das Kollektiv" schon mal schwer bepackt mit Praktisix und Zubehör herumgeklettert war. Der Unterschied zwischen der Besichtigung der Förderbrücke in Lichterfelde war der, dass die F60 im (Groß)Tagebau Nochten 1980 in vollem Betrieb war (bis heute !!) und sich rüttelte und schüttelte, außerdem stand überall zentimeterdick der Kohlendreck und die F60 in Lichterfelde jetzt ruhig und still da steht und auf Besucher wartet. Außerdem ist alles blitzsauber, so dass Sie selbst im weißen Anzug heute dort hinauf kraxeln könnten und auch ebenso weiß wieder herunter kommen. Damals kam ich in Nochten nach stundenlanger Begehung des Gerätes wie ein Schornsteinfeger wieder unten an und auch die Ausrüstung war ziemlich verdreckt und verstaubt. Unter sämtlichen Schaltern und Rädchen, ja selbst im Inneren der PentaconSix auf dem Gummituchverschluß fand ich daheim beim Reinigen den  Kohlendreck. Außerdem darf man etwas nicht vergessen, ich war damals gut 30 Jahre jünger als heute.

Im Jahr 2008 war die Begehung der Förderbrücke jedoch eine picksaubere Angelegenheit. So nahm ich meine im Juni 2008 noch aktuelle und vor allem leichte Panasonic DMC-FZ8 (inzwischen habe ich sie verschenkt) mit auf die F60 in Lichterfelde. Mir bot sich bei schönstem Wetter ein genau gleicher Blick auf die imposante Stahlkonstruktion, wie 30 Jahre vorher auf der F60 damalig im Tagebau Nochten. Irgendwie war das schon ein eigenartiges Gefühl, aber auch kein schlechtes und ich fühlte mich wohl bei dem Gedanken mit fast 60 doch noch einmal dort "oben" herum gestiegen zu sein.


hier geht zu meinem Album Schaubergwerk Schaksdorf-Lichterfelde Förderbrücke F60