Umwittert vom Hauch der Geschichte -
die über 800 Jahre alte Stadt Bautzen

Teile des Textes z.T. aus Manfred Durand: Die Oberlausitz und der Sechsstädtebund, Oberlausitzer Verlag, Waltersdorf, 1991




Was die Wenigsten wissen - die berühmten Burgunder aus der Siegfriedsage haben hier und in der oberen Lausitz um etwa 200 nach Christus auch einmal gehaust, als sie aus ihrer ursprünglichen Heimat Skandinavien hier einwanderten und die dann im 4.Jahrhundert von den Römern als deren Vasallen und Verbündete an den Rhein geholt wurden, um dort die römische Außengrenze zu sichern. Dort bestand das Reich relativ kurze Zeit, ca. 30 Jahre unter dem König Gunthahar, bis es diesem im Jahre 411 einfiel, plötzlich gegen die Römer zu spielen, deren Besitzungen zu berauben und Kastelle zu überfallen. Die Römer schickten daraufhin ein weiteres Vasallenheer - die Hunnen - diesmal gegen die Burgunder, die wahrscheinlich im Jahre 434 nahezu völlig vernichtet wurden. Man vergleiche den Text der Siegfriedsage, die um 1200 entstand. Als "Sarmaten" spielen Krieger der Stämme dieser skandinavischen Germanen in der englischen Artussage eine Rolle, nach der Sage von  "jenseits der Weichsel" (??) stammend.

Doch zurück zu Bautzen -

Bautzen ist eine der Städte, in der jeder Stein Geschichte zu atmen scheint, vorausgesetzt man erwischt einen etwas ruhigeren Tag in dieser Stadt, in der ansonsten eine völlig chaotische Verkehrssituation, der man erst in den letzten Jahren mit immer großzügigeren Umgehungsstraßen Herr zu werden beginnt. Wenn man auf den Pfaden der Ortenburg oder in den Ruinen des Klosters unterwegs ist und sich vergegenwärtigt, wer oder was hier alles bereits gegangen war, ist es eine ehrfürchtige Gänsehaut, die einem über den Rücken läuft. Großartige und entwicklungsbestimmende Ereignisse haben sich in mehr als tausend Jahren hier abgespielt. Man spürt und riecht die Geschichte förmlich.

Man muß in der Geschichte schon ziemlich weit zurück gehen, um die Ursprünge Bautzens zu beschreiben. Bereits unter der Herrschaft Karls des Großen (742 - 814) begann die Unterwerfung der Slawenländer. Im 10. Jahrhundert wurde nach der Bildung des ersten deutschen Feudalstaates (919 - 925) unter Heinrich I., der als erster deutscher König gilt, die Unterwerfung der Slawen fortgesetzt. Heinrich kam mit seinem Heer von Thüringen in das Gebiet des heutigen Sachsens und gründete 930 die Burg Misni, das heutige Meißen.  Ab dem Jahre 932 drangen die deutschen Herrscher mit Feuer und Schwert in das Land Sorabia (zu deutsch: Land der Sorben) vor, bis in das Gebiet des damaligen Budissin (heute die Stadt Bautzen). Im Jahre 936 eroberten die elbslawischen Stämme Budissin wieder zurück und vertrieben das deutsche Heer.


Ortenburg zu BautzenDer für seine Hinterlist selbst bei den zeitgenössischen Chronisten berüchtigte Markgraf Gero war es dann, der im Jahre 939 durch Hinterlist und Verrat 30 slawische Fürsten bei einem Gelage umbringen ließ, so die slawischen Clans ihrer Führungsriege beraubte und damit die Slawenaufstände beendete. Zur gleichen Zeit entstand im Osten ein neuer mächtiger Feudalstaat, der polnische. Daraufhin baute man auf einem Felssporn am Ufer der Spree die Ortenburg als Trutzburg, jenes imposante mittelalterliche Festungswerk, dass wir heute noch bewundern können.

Eigentlich kam die Gegend nie richtig zur Ruhe. Kriege und Fehden erschütterten immer wieder das Land. Im 13. Jahrhundert entstanden die Städte Kamenz (1213), Görlitz (1220), Löbau (1221), Weißenberg (1228) und Zittau (1220 ?). Auch die Stadtgründung von Bautzen ist nicht auf das Jahr genau überliefert, fällt aber sicher ebenfalls in die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts. Das Stadtrecht erhielt Bautzen 1213, das ist auf das Jahr genau verbürgt.

Zum Schutz des Landfriedens in der Oberlausitz schlossen sich die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau am 21. August 1346 zu einem Schutz- und Trutzbündnis zusammen, das sich in seinen Anfängen vornehmlich gegen das Raubrittertum richtete. In diesem Bund hatte Bautzen den Vorsitz und galt als politisch einflußreichste Stadt des Bundes, Görlitz als die ökonomisch mächtigste Stadt. Dieser Bund bestand fast ein halbes Jahrtausend. Als 1815 in Folge der Bestimmungen des Wiener Kongress die Lausitz geteilt wurde und Görlitz und Lauban an Preußen fielen, endete das Bestehen des Sechsstädtebundes nach fast 500 Jahren. Die bei Sachsen verbliebenen Städte gingen den „Vierstädtebund“ ein, der jedoch geringere Bedeutung besaß und 1868 endete.

Schwerste Prüfungen durchlitt die Stadt während der Hussitenkriege. Nachdem der böhmische Reformator Jan Hus 1415 in Konstanz selbst gegen jedes damalig geltende Recht und trotz eines Geleitbriefes des deutschen Königs Sigismund während des Konstanzer Konzils festgesetzt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war, erboste das dessen Anhänger auf das Ärgste. Die Taboriten als der militant-radikale Teil der Hussiten erstarkten zunehmend  und 1421 verwüstete ein 8700 Man starkes Hussitenheer die Oberlausitz als Rache für deren Teilnahme an einem Kriegszug gegen Böhmen im Jahr 1420. Mit Wurfmaschinen und Steinschleudern berannten die Hussitenheere Bautzen und hier wurden auch erstmals tote Ratten und anderer Unrat, sowie die Körperteile verstorbener Seuchenopfer in die Stadt geschossen - so eine Art frühe bakteriologische Kriegsführung, die aber auch aus den alten Tontafeln Babylons schon bekannt ist - um innerhalb der Bautzner Stadtmauern Seuchen zu erzeugen. Noch heute hängt über einem der alten Stadttore der steinerne Kopf des Stadtschreibers Peter Prischwitz, der während des Hussitenkrieges versucht hatte, die Stadt an die Hussiten zu verraten und ein Stadttor zu öffnen. Das mißlang wohl. Tatsächlich aber soll es ihm gelungen sein, Feuer in der Stadt zu legen, aufgrund dessen ein Viertel der Stadt niederbrannte. Dieser Verrat wurde vor seiner Vollendung jedoch rechtzeitig durch den Stadthauptmann Thiemo von Colditz entdeckt. Die Bestrafungen waren damals außerordentlich drastisch! Nach einem Geständnis von Prischwitz, dem ein entsprechendes Verhör vorausging, soll der Stadtschreiber daraufhin am 6. Dezember 1429 auf einer Kuhhaut vom Hauptplatz aus durch die Gassen der Stadt zum Richtplatz geschleift, ihm dort vor viel Volk bei lebendigem Leibe Brust und Bauch aufgeschnitten, sein Herz und das Gedärm herausgerissen und in sein Gesicht geworfen, sowie sein Körper in vier Teile zerstückelt worden sein. Derart barbarische Methoden waren zu dieser Zeit nicht selten, wenn man z.B. die Gerichtssprechung im alten England zur gleichen Zeit vergleicht.  Das dort übliche sogenannte "Ausweiden" von Verrätern, ist mit der in Bautzen beschriebenen Hinrichtung fast identisch. Der echte Kopf soll im Mittelalter fast 10 Jahre lang zur Abschreckung genau an der Stelle über dem Stadttor, dem heutigen Nikolaitor gehangen haben, wo heute ein schon verwittertes Gesicht aus Stein an dieses Ereignis erinnert. Heute gibt es allerdings von einigen Historikern auch Zweifel an der Schuld des Peter Prischwitz, denn das sogenannte peinliche Verhör im Mittelalter war eine grausame Prozedur in deren Ergebnis jeder am Ende alles gestand, was man von ihm hören wollte. In unserer heutigen Gesellschaft ist jede Art von Folter zur Wahrheitsfindung auch  ungesetzlich, was aber leider nicht heißt, dass sich alle Staaten daran halten. Beispiele gibt es genug, selbst von Staaten, die eigentlich als aufgeklärt und rechtsstataatlich gelten.

Bautzen wurde von den Hussiten nie eingenommen, im Gegensatz zu Zittau, dass von den Hussitenheeren mehrmals verwüstet und zum Teil bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Schließlich bat der damalige Landvogt Hans von Polenz den Markgrafen von Meißen um Unterstützung, der Anfang 1430 tatsächlich ein Heer aus 1200 Mann nach Bautzen entsandte. Dieses Heer ließ sich in der Nähe der Kirche zum Heiligen Geist nieder. Aufgrund dieser Vorbereitungen gaben die Hussiten ihren im Jahre 1430 geplanten Angriff auf Bautzen auf.

1431 folgte noch einmal ein Angriff der Hussiten, bei denen es ihnen gelang zeitweise die Stadtmauern zu überwinden, letztendlich aber immer wieder zurück geschlagen wurden.

Bautzen wurde in den folgenden Jahren bis in die Gegenwart immer wieder der Schauplatz von Kriegsereignissen. So die Belagerung durch Kurfürst Johann Georg I. um 1620 und die Belagerung durch die Schweden um 1639. Desweiteren auch die Schlacht bei Bautzen, am Triumphbogen in Paris auch Schlacht bei Wurschen genannt, am 20./21. Mai 1813 nahe der Stadt Bautzen bei dem Ort Hochkirch im Zuge der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich und oder als letzte kriegerische Handlung die Schlacht um Bautzen im Zweiten Weltkrieg zwischen polnischen und sowjetischen Soldaten auf der einen und der deutschen Wehrmacht auf der anderen Seite in und um die Stadt Bautzen im April 1945. Insbesondere die letzte große deutsche Panzeroffensive des Zweiten Weltkrieges am 26. April 1945, sowie der tagelang geführte Häuserkampf innerhalb der Stadt ist hier zu erwähnen.

Es war mit jedem Krieg das Gleiche - gemessen an dem vorherigen steigerten sich die Zerstörungen in der Stadt einhergehend mit der Entwicklung der Waffen. So waren die Kriegshandlungen im zweiten Weltkrieg, die für die Stadt verheerendsten.

Man darf aber auch nicht unerwähnt lassen, dass die Zeit der DDR zwar keine kriegerischen Zerstörungen mit sich brachte, aber der langsame Zerfall der wertvollen historischen Bausubstanz dazu führte, dass die ihr gesamtes historisches Bild zu verlieren drohte. Die sogenannte Wende 1989 war für Bautzen wie auch für viele andere alte Städte mit einer mittelalterlichen Bausubstanz die Rettung. Bautzen wurde nach 1989 wieder aufgebaut - schöner als je zuvor. Meine Bilder im Album, welches Sie hier finden,  werden in unregelmäßigen Zeitabständen (so etwas ist vom Wetter abhängig und auch davon wann geliebte Ehehälfte wieder einen Shopping-Trip nach Bautzen wünscht u.a.) immer wieder aktualisiert und erneuert. Ich habe die Bilder absichtlich relativ klein gehalten, um einerseits die Ladezeiten zu verkürzen und andererseits dem seit Jahren üblichen asiatischen Bilderklau ( siehe auch flickr) nicht noch Zucker in den Tee zu kippen.

Wenn Sie größere Bilder für Ihre Projekte benutzen wollen, dann kontaktieren Sie mich bitte - alles ist machbar.


Bautzen-Burgberg-Panorama



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