Bad Muskau

Herrschaft von Fürst Hermann von Pückler-Muskau





Teile des Texts auszugsweise aus Wikipedia.de, verschiedene Aufrufe

Hermann von Pückler Muskau (* 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau, Bad Muskau, Oberlausitz; verst. 4. Februar 1871 auf Schloss Branitz bei Cottbus, Niederlausitz) war eine der bekanntesten und zugleich verrufensten Gestalten seiner Zeit. Eigentlich passt alles auf ihn - Hochgradig intelligent, ein verschwenderischer Lebemann und Frauenheld, ebenso bewundert wie beschimpft, mit Verdiensten und Skandalen gleichermaßen verknüpft. Das sogenannte Pückler-Eis jedoch, dass man ihm nachsagt, damit hat er absolut nichts zu tun.

Was aber wohl kaum einer weiß, er war der Erfinder des Kohlepapiers und war damit der erste Mensch, der in seiner Post "Durchschläge", d.h. Durchdruck-Kopien anfertigte. Von 100 Menschen wußten das bisher sicher schon mal 99 nicht, abgesehen davon, dass in der heutigen Zeit wohl und bei dem Stand der Bürotechnik - abgesehen von den ganz Alten 50+, die sich damit noch die Finger noch selbst schmutzig gemacht haben - kaum noch einer weiß, was Kohlepapier war.

Er war der Sohn des Grafen Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler und der Reichsgräfin Clementine von Callenberg. Seine Kindheit war nicht unbedingt schlecht, aber scheinbar auch nicht das, was man eine liebevolle Mutter-Kind-Beziehung nennt. Clementine war die Letzte eines deutschen Adelsgeschlechts, nämlich derer von Callenberg, deren Familiensitz das Schloß Muskau war. Clementine von Callenberg wurde 1770 in Muskau geboren. Quellen beschreiben sie als keckes frühreifes Persönchen, die gern mit allen möglichen Männern ihres Standes kokettierte und so war sie erst 14 Jahre alt, als sie von dem damals 30-jährigen Reichsgrafen Carl Hans Erdmann Graf von Pückler (1754 bis 1811), Erbherr zu Branitz, geschwängert wurde und 1785 den kleinen Hermann auf die Welt brachte. Eine Beziehung zu ihrem Sohn konnte die 14-Jährige nicht aufbauen, er war wohl eher ein Spielzeug für sie. Alle lästigen Aufgaben wurden wie damals üblich, einer Amme üerlassen. Als einziger Nachkomme war der kleine Hermann aber der Erbe der Standesherrschaft Muskau. So heißt es in manchen Quellen, dass sein Vater hartherzig, ungerecht  und neidisch auf ihn als den Erben war, die Mutter mit dem Kind nichts anzufangen wußte und sich der heranwachsende Hermann deshalb fehlentwickelte, störrisch und heimtückisch wurde. Seine Erziehung lag in den Händen roher und dummer Hauslehrer, insbsondere eines bösartigen Haushofmeisters. Dieser Haushofmeister Tamm soll es gemäß zeitgenössischer Quellen sogar fertig gebracht haben, die leibliche Mutter, d.h. Clementine von Callenberg aus dem eigenen Schloß hinaus zu werfen, als sie ihm einmal ihre ungeschönte Meinung ins Gesicht schleuderte. Das sagt eigentlich schon alles, wenn man sich fragt, welche Machtbefugnisse dieser Mensch an sich gebracht haben mußte. Der heranwachsende Hermann fand nur in seinem Großvater Alexander Heinrich von Callenberg und der alten Amme seiner Mutter Menschen, die ihm ehrlich zugetan waren. Im 7. Lebensjahr des Kindes Hermann starb dessen wichtigste Bezugsperson, der Großvater, und Herrmann wurde für vier Jahre in eine Erziehungsanstalt der Herrnhuter Brüdergemeinde gesteckt. Die weitere Ausbildung in einem Pädagogium in Halle und in der Stadtschule Dessau schaffte er nur mit Ach und Krach.

Weitere interessante Einzeheiten über den Fürsten und Lebemann Pückler finden sich u.a. auch hier.

Sein gesamtes Leben über, war er ein deutscher Standesherr, Landschaftskünstler, Schriftsteller, kühner Reisender (sein Pseudonym als Autor und Reisender: Der "Verstorbene" oder "Semilasso") und Dandy und auch - durchaus von ihm so gewollt - der Held zahlreicher Anekdoten.

Am 9. Oktober 1817 erfolgte die Heirat mit der neun Jahre älteren Lucie von Hardenberg (1776-1854), geschiedene von Pappenheim, die selbst bereits zwei Töchter hatte. Zuvor hatte man in den Berliner Salons bereits gewettet, auf welche der beiden Töchter Pückler wohl sein Ansinnen geworfen hätte und dann war die Überraschung groß, als dieser nicht eine der Töchter, sondern die Mutter heiratete. 1822 wurde Pückler gefürstet. 1826 kam es pro forma  zur Scheidung von Lucie, mit der er dessen ungeachtet lebenslang zusammen blieb. Der verschuldete Park- und Gartengestalter wollte nach England reisen, um erneut reich zu heiraten. Das war der Grund für die Scheidung Pücklers von Lucie von Hardenberg. Sicher war das zwar rechtlich gesehen eine Scheidung, aber gemäß einer Abmachung zwischen den beiden war das gar keine echte Scheidung, sondern in Wirklichkeit eine Maßnahme zur Beschaffung von Geld. Die beiden spielten der Welt in völliger gegenseitiger Übereinstimmung offensichtlich ein exzellentes Gaunerstück vor, wobei man sich heute noch fragt, wer von beiden dabei die schlitzohrigsten Einfälle hatte. Lucie war mindestens genauso clever und erfindungsreich wie ihr Hermann. Sie war nun die offiziell geschiedene Fürstin Pückler, die in Muskau weiter verblieb, er der wieder frei gewordene bekannte und strahlende Frauenheld Fürst Pückler, der nun auf der Welt nach einer neuen Frau suchte. Pückler erwartete nun in der ihm eigenen Selbstüberschätzung, dass sich ihm die Frauen zuhauf vor die Füße werfen würden, aber nichts dergleichen passierte. Es hatte sich selbst auf der britischen Insel in den Salons mittlerweile herumgesprochen, was da lief und den meisten war klar, dass Pückler eine reiche Frau brauchte, um sich deren Mitgift einzuheimsen. Er fand deshalb keine weitere Frau und seine finanzielle Lage wurde immer schlechter. Auch seine Reiseberichte schienen im deutschsprachigen Raum kein großer finanzieller Erfolg zu werden und so stand beiden - Lucie und Herrmann schließlich das sprichwörtliche Wasser am Halse.

Da wieder griff dann Lucie mit einer produktiven Schlitzohrigkeit, wie sie nur Frauen zu eigen ist, zu einer pfiffigen List und gab seine unveröffentlichten Briefe und Tagebuchaufzeichnungen als "Briefe eines Verstorbenen" in den Druck! Und siehe da, es passierte das Unerwartete! Der Erfolg, der dem lebenden Pückler nicht vergönnt sein sollte, wurde nun dem scheinbar verstorbenen Fürsten in vollem Umfange zuteil und nicht nur in Deutschland oder Österreich, sondern rund um den Globus interessierten sich plötzlich die Leser für die Abenteuer des Fürsten Pückler aus Muskau. Selbst die, die vorher gelangweilt abgewunken hatten, waren plötzlich wild darauf, den "Nachlass" des "Skandal"-Fürsten lesen zu können. Man kann das heute nur noch vergleichen mit der Regenbogenpresse, die aber heute das Niveau der Pücklerschen Veröffentlichungen kaum mehr erreichen dürfte. Die veröffentlichten Bücher waren echte Reisebeschreibungen und sie sanierten den hoch verschuldeten Pückler und seine geschiedene Lucie spürbar. Vor allem aber, sie versetzten Pückler erneut in die Lage, seine Landschaftsbauten weiter voranzutreiben und zu reisen. Erst heute ist klar, dass die Gestaltung des heutigen Parks nicht unbedeutend von Lucie von Hardenberg voran getrieben wurde, während sich Hermann von Pückler in der Weltgeschichte herum trieb und Skandale produzierte. Es dürfte aber auch einleuchtend sein, dass sich Lucie dabei im Grundsatz her auf die Entwürfe und Ideen ihres Mannes berief, wenn sie inpraxi die Arbeiten am Park voran trieb.

Unter Kennern gilt der Fürst Pückler als landschaftskünstlerisches Genie, seine Weiterentwicklung des englischen Parks in den Landschaftsparks von Muskau (Fürst-Pückler-Park Bad Muskau) und Branitz wird nicht selten sogar über Lenné und Sckell gestellt. Beide Parks und die seiner Schüler (zumal: Eduard Petzolds, 1815-91) machten international bis nach Nordamerika Schule und zählen bis heute zu den besonderen Höhepunkten der Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert in Europa.

Was beide Parks so kostspielig machte, war der Umstand, dass Pückler für ihre Anlage irrsinnnig riesige Mengen Mutterboden aus weiter entfernten Gegenden auf Ochsenkarren heranschaffen ließ, da der sandige Untergrund für den geplanten Bewuchs ungeeignet war. Darüber hinaus gelang es ihm erstmals, ausgewachsene Bäume zu verpflanzen. Er ließ sie auf einem speziellen Fuhrwerk heranführen und den Boden am neuen Standort "baumgerecht" präparieren. So gelang es ihm, sein Konzept der "Blickachsen" schon bei der Anlage der Parks zu verwirklichen. Das Ganze kostete natürlich, was es kostete und Pückler war auch deshalb immer "klamm" ...

Pückler, der seine Möglichkeiten der Besichtigung des englischen Landhauses und den Zutritt zu den Gartenanlagen im England zum Teil nur persönlich zugebilligt erhalten hatte und zu schätzen wusste, übernahm den freien Zugang für seine Landschaftsgärten und weitete ihn auf jedermann aus. So war es dem Bürgertum schon zu seinen Lebzeiten erlaubt, den Park tagsüber zu besuchen und hier zu flanieren.

Eine besondere Rolle spielte dann eine äthiopische Prinzessin, wenn sie denn eine war, im Zusammenhang mit Pückler. Sie hieß Machbuba und war wohl vom Volk der Oromo, (geboren spätestens 1827 in Äthiopien; verstorben am 27. Oktober 1840 in Muskau in der Oberlausitz) war eine durch ihren Lebensweg und ihre Verbindung mit dem berühmten Parkschöpfer, Literaten und Dandy Fürst Hermann von Pückler-Muskau bis heute geschichtenumwobene Kindfrau.

Heute wie damals regt ein junges exotisches Mädchen, dass von einem wesentlich älteren Mann begleitet und vergöttert wird, die schlüpfrig-suffisante Phantasie der Öffentlichkeit an. So auch hier. Wenn wir uns aber die Sache mal reell betrachten, dann war zwar Machbuba unseren heutigen Maßstäben und Gesetzen wohl noch ein Kind aber damals und auch noch heute in einigen wenigen Kulturen waren und sind Verheiratungen von sogar erst 12-jährigen Mädchen keine Sache, die hätte Aufsehen erregen müssen, unabhängig davon, wie wir das heute sehen und bewerten. Eine heutige Bewertung dieser Beziehung ist auch insofern schwierig, zumal nicht bewiesen ist, wie tief oder wie weit die Beziehung ging.  Man muß beachten,  nach damaligen Anschauungen, besonders nach den Sitten und Gebräuchen des Orients war Machbuba bereits eine Frau und konnte problemlos verheiratet werden. Der Gedanke an Kindesmißbrauch, wie im heutigen Sinne - das damals keine Bohne! Damals war eigentlich nur interessant, ob eine Frau oder ein Mädchen zum Zeitpunkt der Geburt eines Kindes verheiratet war oder nicht. Das Alter spielte eine untergeordnete Rolle. Pücklers mögliche persönliche Haltung dazu muss man zusätzlich unter dem Aspekt sehen, dass seine eigene Mutter war noch nicht einmal 15 Jahre alt, als sie Herrmann gebar  und er wahrscheinlich, wenn alles so war, wie man unterstellt, auch nichts Anrüchiges darin sehen konnte. Da Machbuba nach den damaligen arabischen Sitten und Gebräuchen ebenfalls heiratsfähig war, ist anzunehmen, dass sie selbst Pückler auch nicht nur als das kleine Mädchen begegnet ist, als das wir sie heute sehen, sondern sich selbst auch schon als erwachsen verstand, möglicherweise auf dem besagten Sklavenmarkt schon als heiratsfähig verkauft wurde. Das genaue Alter der Machbuba ist nicht heute mehr feststellbar, da ihre Geburt zeitlich nicht dokumentiert wurde. In verschiedenen Quellen findet man dann auch verschiedene Angaben, die rechnerisch unterschiedliche Angaben zu ihrem Todesalter ergeben, mal nur 13 Jahre, mal aber 16 Jahre.  Es gibt ein angebliches fotografisches Lebendbildnis von Machbuba, dessen Echtheit ich allerdings anzweifeln würde, denn das Foto entspricht in keiner Weise der Art und Weise der fotografischen Umsetzung, wie sie 1840 üblich gewesen wäre. Derart fast lockere "Outdoor-Fotos" waren zu dieser Zeit nicht üblich. Wenn dieses Foto aber wahrhaftig echt sein würde, dann wäre Machbuba nach unseren heutigen Moralvorstellung ein Kind gewesen, nicht nur vom Alter her, sondern auch vom äußeren Erscheinungsbild her. Ich gehe aber davon aus, dass dieses Foto eine Person zeigt, die in unserer heutigen Zeit als Machbuba in einer ähnliche Kleidung, wie auf dem originalen zeitgenössischen Gemälde sichtbar, in Szene gesetzt wurde, eventuell zu einem der Stadtfeste o.ä.

Zum europäischen Gegenstand des fasziniert-empörten Klatsches machte der 52-jährige Fürst sie vor allem dadurch, dass er sie 1837 auf einem Kairoer Sklavenmarkt kaufte.  Er nahm das halbe Kind als Freigelassene auf seine Reisen bis Bagdad und Istanbul mit, lehrte sie Lesen, Schreiben und Italienisch und brachte sie nach Europa. Ihre beiderseitige Zuneigung ist bezeugt (Der Kunsthistoriker Rüdiger Kleßmann hält sie für sehr ernsthaft und infolgedessen für den Schlüssel des Ganzen). Ihr durchaus liebevoller Briefwechsel ist teilweise erhalten. Er ließ sie auch nicht im Orient oder in Venedig zurück, zu welchem Zweck er sie vermutlich Italienisch gelehrt hatte. Sondern im Gegenteil: Mit der ihm eigenen Keckheit (und wohl auch auf seiner notorischen Suche nach Aufmerksamkeit) stellte er sie - ganz standesgemäß - als äthiopische Prinzessin sogar am kaiserlichen Hof in Wien vor. Seiner Absicht, sie auch mit nach Berlin zu bringen, wirkte seine geschiedene Frau Fürstin Lucie von Pückler-Muskau entgegen, vermutlich weniger aus Eifersucht (wir sind hier im Hochadel), als vielmehr, um nicht - trotz des Wiener Präzedenzfalles - vor dem preußischen Königshof blamiert zu werden (ihr Vater war immerhin preußischer Staatskanzler gewesen). 

Pückler brachte die junge Abessinierin, die damals wahrscheinlich schon an Tuberkulose erkrankt war, mit nach Bad Muskau und zog dort mit großem Gepränge und lautem TamTam wie ein orientalischer Fürst mit seiner Sklavin ein. Das war nun selbst der sonst so geduldigen und für viele Kapriolen ihres Hermann tolerante Lucie ein zu starker Tobak. Unerwartet für den Lebemann, verließ Lucie daraufhin sofort Bad Muskau und zog sich schmollend nach Berlin in ihre alte Wohnung zurück, wo sie dort zu allem Unglück auch noch erkrankte. Pückler reiste ihr sofort nach, entschied sich damit zwischen beiden kranken Frauen für Lucie. So blieb Machbuba im Schloss Muskau zurück, also in einem Städtchen, in dem Pückler selber sich ungern lange aufhielt. Bereits in Wien an einem Lungenleiden erkrankt, starb sie in Muskau schon 1840, und das ohne ihn. Es wird von einem Fluchtversuch berichtet, als sie ihm wahrscheinlich nach Berlin folgen wollte, andere meinen jedoch, dass es ein mißlungener Suizid gewesen war, weil sie beim Sprung aus einem Fenster mit ihrer orintalischen Kleidung an den Spitzen eines Eisenzaunes hängen blieb. Man muß Pückler vorwerfen, dass er längst wieder seinen Vorlieben nachging, sich in der Gesellschaft zu präsentieren und aufzufallen, während Machbuba in der Standesherrschaft in Schloß Muskau auf ihn wartete und bis zur letzten Sekunde hoffte, er werde noch einmal zu ihr kommen. Aus rechtlichen Gründen kann das Gemälde mit dem Anlitz der Machbuba hier nicht mehr direkt gezeigt sondern nur noch verlinkt werden. Es hängt in Cottbus im Pücklerschloß Branitz.




machbuba-grabsteinDas Bild zeigt das Grab der Machbuba, der Stein wurde erst einige Jahre nach ihrem Ableben gesetzt, existiert heute noch und wird bis in die Gegenwart von den Bad Muskauern gepflegt und mit frischen Blumen geschmückt. Als ich im März 2010 selbst auf dem Friedhof der Jacobiskirche das Grab besuchte, war es ein eigenartiger Schauer, der mich erfaßte. Selbst jetzt, 170 Jahre nach dem Tode des abessinischen Mädchens lag wiederum ein Rosenstrauß - freilich erfroren bei minus zehn Grad - auf ihrem Grab. Neben dem Grab erläuterte eine bereits durch Feuchtigkeit angegriffene Schrift auf einer Tafel das Geschehen. Für meine 5-jährige Enkelin war die Geschichte von der armen Prinzessin, die allein in Muskau starb, derart ergreifend gewesen, dass es mittlerweile seit 5 Jahren zur Regel geworden ist, dass wir seit nach dem Spaziergang im Park oder dem Besuch des Schlosses mit einem kleinen Strauß Blumen immer wieder auf den Friedhof gehen. Die Blumen legt sie auf dem Grab nieder und dann folgt ein Gebet für die Seele des kleinen afrikanischen Mädchens, dessen Schicksal sie so tief berührt hat. Und dann muss ich sie immer wieder erzählen, diese Geschichte von der Prinzessin Machbuba, mit deren Schicksal und Tod, angesichts des gebrochenen Herzens auf dem Grab sie sich so verbunden fühlt. Als ich mich auf dem altehrwürdigem Friedhof umsah, lasen sich die Namen auf den teilweise arg verwitterten Grabsteinen wie ein Treffen bekannter Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Irgendwie spürte man hier auf dem Friedhof, dass dieses kleine Städtchen, welches durch die Geschichte, insbesondere nach den beiden Weltkriegen in die Bedeutungslosigkeit und schließlich an den Rand einer neuen Grenze katapultiert worden war, im 18. und 19. Jahrhundert der Ort gewesen sein muß, in welchem prägende Geister von Politik und Kunst der Deutschen lebten, arbeiteten und hier starben. Ich war recht ergriffen und nachdenklich als ich diesen Ort wieder verließ. Ebenfalls im Schloß des zweiten Fürst-Pückler-Anwesens im Branitzer Parkes bei Cottbus befindet sich die Totenmaske des Mädchens Machbuba, eine ergreifende ausdrucksvolle Maske, die belegt, dass das Mädchen unter den hiesigen Klimaverhältnissen sehr gelitten haben muß und mit großer Wahrscheinlichkeit an Tuberkulose verstarb. Obgleich zwischen dem Tod des Mädchens und der heutigen Zeit mehr als 170 Jahre liegen, fühlt man sich der kleinen Prinzession irgendwie nahe, was sicher auch an dem von den Muskauern gepflegten Grab der Machbuba liegen mag.

Das Schloß des Muskauer Landschaftsparkes, welches kurz nach Beendigung des Krieges noch einer sinnlosen Brandstiftung zum Opfer fiel, ist inzwischen nach der politischen Wende mit großem finanziellem Aufwand wieder aufgebaut und für den Besucherverkehr freigegeben worden.

Auch die Gebäude des fürstlichen Wirtschaftsbetriebes, z.B. die Orangerie sind wieder neu erstanden und wunderschön. Etwas zwiespältiger sieht das Ergebnis der Rekonstruktion des alten Tropenhauses aus. Wer dieses im Jahr 1959 eröffnete alte Tropenhaus noch kannte und dass 2008 wegen Baufälligkeit geschlossen werden mußte, der ist in der Regel über das rekonstruierte Tropenhaus, dass im Juni 2012 neu eröffnete, arg enttäuscht. Ich war zweimal dort in der Hoffnung eine Wiedergeburt der einstigen Orchideenpracht erleben zu dürfen, aber jedesmal fand ich ein liebloses leeres Gewächshaus vor, in dem einen ein Automat begrüßte, der es "cash" wollte, dann vorn ein paar Vasen und Geschirr zum Thema Ananas ausgestellt wurden, schließlich ein Raum mit zwei Ananaspflanzen folgte und man dann durch die verschlossene Tür ins eigentlich Allerheiligste einsehen konnte - und das war jedes Mal genauso menschen- und pflanzenleer. Das Tropenhaus ist leider nicht mehr das, was es einmal war. Der alte Herr von damals, den ich noch lebhaft in meiner Erinnerung habe, war mit seinen Orchideen verheiratet, egal wie alt und baufällig der alte Bau war, aber innen merkte man, dass da jemand mit seinem ganzen Herzblut die Pflanzen pflegte und züchtete. Heute steht dort nur noch der Kassenautomat.

Da Pückler sich mit der Anlage seines ersten Parks in Muskau finanziell übernommen hatte, verkaufte er die Standesherrschaft Muskau 1845. Sie gelangte später in Besitz der Familie von Arnim. Fürst Pückler zog auf sein Erbschloss Branitz bei Cottbus. Den Erlös aus dem Verkauf von Muskau verwendete er, um das Schloss Branitz (unter starkem Einfluss von Gottfried Semper) umbauen zu lassen und um erneut einen Landschaftspark nach englischem Vorbild, den heutigen Fürst-Pückler-Park, anzulegen. So gesehen muß man den Park Bad Muskau in Zusammenhang mit dem Landschaftspark Branitz bei Cottbus sehen. Aus diesem Grunde finden sie hier zwei Alben, eines von Bad Muskau und in Kürze ein kleineres Album von Cottbus

Da eine Einäscherung Verstorbener damals aus religiösen Gründen verboten war, griff Pückler zu einer provokanten List und verfügte, dass sein Herz in Schwefelsäure aufzulösen sei und der Körper in Ätznatron, Ätzkali und Ätzkalk gebettet werden solle. So wurde er am 9. Februar 1871 im Tumulus - einer Seepyramide im Parksee des Branitzer Schlossparks - beigesetzt. Es gibt allerdings auch eine Legende nach der sich Pückler wie ein ägyptischer Pharao mumifizieren lassen wollte und man die chemischen Essentien verwechselt habe. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das aber eine von den vielen Legenden, die sich um den fürstlichen Lebemann ranken. Da er kinderlos war, fiel das Schloss nach seinem Tod an den Neffen Reichsgraf Heinrich von Pückler.





Die oberen drei Bilder sind keine Bilder aus dem Park Bad Muskau

Sie stammen aus dem Cottbusser Landschaftspark des Pücklerschen Erb-Anwesens. Sie zeigen die weltbekannte Pyramide und den Grabstein der daneben anzeigt, wer sich im Tumulus derselben befindet. Dorthin zog sich Herrmann von Pückler nach dem Verkauf des Anwesens Muskau zurück und schon in den folgenden 26 Jahren bis zu seinem Tode im Jahre 1871 ein neuen größeren Landschaftspark.

Die sterblichen Überreste der Lucie von Hardenberg, die bereits 1854 verstorben war, gelangten erst nach längerem Hin und Her in der Familie Pückler verdientermaßen in den Tumulus der Seepyramide, da die Familie des Reichsgrafen sie anfänglich nicht als würdig genug empfand, an der gleichen Stelle bestattet zu werden, wie der Fürst, dem sie lebenslänglich finanziell über Wasser halten durfte und den sie mit ihrem Witz und ihrer Pfiffigkeit einige Male vor einem Zustand gerettet hatte, den wir heute z.B. mit dem "Offenbarungseid" charakterisieren würden. Ihr rettender Gedanke, der Welt einen toten Autor der Pücklerschen Reisebücher zu verkaufen, weil sie einen lebenden Autor nicht haben wollte, verschaffte Pückler für lange Jahre finanzielle Sicherheit. Irgendwann hatte sich das dann auch mal bei der Familie des Fürsten als Einsicht durchgesetzt. Erst lange nach ihrem Tode wurde sie als Lucie von Pückler-Muskau aus einem Grab in Bad Muskau endlich in die Branitzer Pyramide an die Seite ihres Herrmann umgebettet. Nennen wir das mal "späte Gerechtigkeit" .... ;-)






zum Album des Landschaftsparkes Bad Muskau